„Eigentlich“: eigentlich ein krass unterschätztes Wort

„Eigentlich“: eigentlich ein krass unterschätztes Wort

Über­flüs­sig, böses Füll­wort, sagt nichts aus, unbe­dingt strei­chen: Tex­ter, Vor­trags­red­ner und Schreib­coa­ches schimp­fen uni­so­no auf das klei­ne Wört­chen „eigent­lich“. Dabei hat es über­haupt nichts ver­bro­chen, son­dern kann Tex­ten rich­tig gut­tun.

 ***

Schätz mal: Wie oft am Tag sagst du „eigent­lich“? Ich habe dazu online keine Anga­ben gefun­den, bin aber sicher, dass da jeder in den zwei­stel­li­gen Bereich kommt. Wir sagen „eigent­lich“, „quasi“, „sozu­sa­gen“, „ent­spre­chend“, „offen­sicht­lich“, „na ja“, „also“.

Lau­ter Füll­wör­ter, die wir uns nicht lange zurecht­le­gen, son­dern die ein­fach aus unse­rem Mund raus­plop­pen. Wür­den wir so schrei­ben, wie wir spre­chen, wären die Sätze vol­ler Ver­haspler, Ein­zel­sil­ben, Stol­per­lau­te und eben Füll­wör­ter.

Beim pri­va­ten frei­en Spre­chen ist das okay, sagen Rhe­to­rik­ex­per­ten und Tex­ter. In Tex­ten aber nicht. Denn die legen wir uns sorg­sam zurecht, um eine bestimm­te Wir­kung erzie­len, selbst­be­wusst zu klin­gen und zu ver­kau­fen.

Wenn wir also „eigent­lich“ schrei­ben,

  • ver­län­gern wir den Text unnö­tig,
  • machen die Aus­sa­ge schwam­mig
  • und wir­ken unsi­cher.

Heißt es. Und was zum Geier hat „eigent­lich“ eigent­lich für eine Bedeu­tung?  Kann das jemand aus dem Eff-eff defi­nie­ren? Wieso benut­zen wir ein Wort so oft und kön­nen nicht sagen, was wir damit mei­nen?

Und müs­sen wir das Wort jedes Mal wie­der raus­strei­chen, obwohl wir es instink­tiv in den Satz­fluss inte­griert haben?

Wenn du im Web nachschaust, wirst du folgende Definition finden:

 

einer Sache in Wahr­heit zugrun­de lie­gend; tat­säch­lich, wirk­lich

die wirk­li­che, ursprüng­li­che, wört­li­che, nicht über­tra­ge­ne Bedeu­tung eines Wor­tes

ver­stärkt oder rela­ti­viert beson­ders in Fra­ge­sät­zen eine gewis­se Anteil­nah­me, eine vor­wurfs­vol­le Äuße­rung 

 

Mal ein Bei­spiel:

Eigent­lich war es gar nicht so.

Eigent­lich ent­spricht hier Tat­säch­lich:

Tat­säch­lich war es gar nicht so.

Und in Gedan­ken fügst du jetzt auto­ma­tisch hinzu: …,son­dern es war so und so.

Die glei­che Aus­sa­ge ohne „eigent­lich“:

Es war gar nicht so.

Klingt merk­wür­dig abge­hackt, oder?

Ver­wäs­sert das Wort hier irgend­was? Nein, weil der Satz sonst außer „gar“ (auch so’n komi­sches Wort) keine Füll­wör­ter ent­hält.

Hieße der Satz

Also eigent­lich war es ja im Grun­de gar nicht so

würde ich auch sagen, dass er schwam­mig klingt. Genau­so wie

Eigent­lich bin ich ganz zufrie­den als Frei­be­ruf­le­rin.

Selbst­be­wusst klingt anders. Aber da muss eben jeder Satz indi­vi­du­ell geprüft wer­den.

 

Nächs­tes Bei­spiel:

Wie heißt der eigent­lich?

Hier ent­spricht „eigent­lich“ dem Wort „über­haupt“. Der spielt jetzt schon so lange in unse­rem Fuß­ball­team und ich kenn den noch gar nicht, wie heißt der eigent­lich?

Ohne „eigent­lich“:

Wie heißt der?

Hat nicht die­sel­be Aus­sa­ge, wie wir mer­ken.

Ihr eigent­li­ches Unter­richts­fach ist Deutsch.

„eigent­lich“ ent­spricht hier „rich­tig“.

Ihr rich­ti­ges Unter­richts­fach ist Deutsch.

 

Noch ein Bei­spiel:

Was ich eigent­lich noch sagen woll­te:…

„Eigent­lich“ hat hier die glei­che Bedeu­tung wie „übri­gens“.

 

Du merkst: „Eigent­lich“ ist ein klei­nes Multi-Talent, ein Cha­mä­le­on, weil es mehr als nur eine Bedeu­tung hat und viel­fäl­tig ein­setz­bar ist.

Die Bedeu­tung des Wor­tes ergibt sich aus der Art, wie man es münd­lich betont, oder aus dem schrift­li­chen Kon­text.

Das Wort kann sogar Span­nung erzeu­gen:

Eigent­lich hatte er dem Alko­hol abge­schwo­ren.

Jetzt erwar­ten wir vom Fol­ge­satz so etwas wie

Aber dann stand da die­ses ver­lo­cken­de Glas Bor­deaux vor ihm.

Wir lesen „eigent­lich“ und den­ken auto­ma­tisch das dar­auf fol­gen­de „…aber“ mit.

Eigent­lich soll­te Rot­käpp­chen auf dem Weg blei­ben (aber dann kam sie doch vom Weg ab und traf auf den bösen Wolf).

Ohne das Wort klingt der Satz unvoll­stän­dig:

Er hatte dem Alko­hol abge­schwo­ren.

Rot­käpp­chen soll­te auf dem Weg blei­ben.

Im Marketing kann sich das so lesen:

Eigent­lich (aka nor­ma­ler­wei­se) kos­tet der Online­kurs 399 Euro. Aber nur heute bekommst du ihn für die Hälf­te!

Wenn es schlicht Der Online­kurs kos­tet 399 Euro hei­ßen würde, hät­test du nicht schon beim ers­ten Satz geahnt, dass im zwei­ten Satz die ein­ma­li­ge Chan­ce auf den hal­ben Preis war­tet, oder?

Jan Delay und Udo Lin­den­berg haben die­sem Satz sogar einen gan­zen Hit gewid­met:

Eigent­lich bin ich ganz anders

Ich komm nur viel zu sel­ten dazu

Also: Dann muss ja irgend­was an dem Wört­chen dran sein, oder?

Und damit auch zu dem Grund, warum ich ihm über­haupt einen gan­zen Bei­trag widme:

Mich nervt, dass Schreib­tipps und ver­meint­li­che Text­re­geln im Web und bei Insta­gram nicht hin­ter­fragt wer­den.

Wenn du „Füll­wör­ter“ oder „Flos­kel“ bei Goog­le ein­gibst, wirst du auf zig Arti­kel sto­ßen, die dir alle raten, „eigent­lich“ rigo­ros aus dei­nem Text zu strei­chen, weil es schließ­lich kein Wort ist, dass für die Kern­aus­sa­ge wich­tig ist.

Und das wird dann immer so wei­ter­ge­tra­gen und kopiert bis hin­ein in die Posts und Blogs von Tex­tern, Schreib­trai­nern und Social Media Mana­gern, die dann nur noch Sub­jekt Prä­di­kat Objekt schrei­ben und sich wie wer­be­schleu­dern­de Robo­ter mit Mega­fon anhö­ren.

Wie ich aber hof­fent­lich deut­lich machen konn­te, ist das so nicht ganz rich­tig. Wie gesagt:

Jeder einzelne Satz muss individuell geprüft werden.

 

Ja, manch­mal tut’s dem Satz gut, wenn du „eigent­lich“ streichst. Sehr oft aber trägt die­ses Wort die ganze Stim­mung des Gesag­ten.

Es gibt dem Text eine Satz­me­lo­die, einen Schwung, macht ihn geschmei­dig. Hin­ter jedem „eigent­lich“ steht eine eige­ne klei­ne Aus­sa­ge, die in die­sem ein­zel­nen Wort zusam­men­ge­fasst wer­den kann.

Ver­glei­che:

Was tun Sie hier?

Was tun Sie eigent­lich hier?

Wel­cher der zwei Sätze könn­te von jeman­dem sein, der sauer ist? Der letz­te (Was tun Sie über­haupt hier?!).

Wel­cher Satz könn­te von jeman­dem sein, der flir­ten will? Der letz­te (Sie sind mir ja bis­her noch gar nicht auf­ge­fal­len, erzäh­len Sie mal, was tun Sie eigent­lich hier?).

Also:

„Eigent­lich“ ist ein fei­nes, lie­bes Wort, das sei­nen Platz im deut­schen Sprach­schatz völ­lig berech­tigt inne­hat. Es ist der Joker, der dei­nem Text eine mensch­li­che Fär­bung ver­leiht. Ein rich­tig klei­ner Schatz, eigent­lich.

 

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„Eigentlich“: eigentlich ein krass unterschätztes Wort

Webseiten für Immobilienmakler: Warum immer Einheitsbrei texten?

Als Tex­te­rin bin ich rat­los, wenn ich mir Web­sei­ten für Immo­bi­li­en­mak­ler anschaue. Statt sich durch Per­sön­lich­keit und ein­fühl­sa­me Texte abzu­he­ben, wer­den Flos­keln ser­viert. Dabei geht es auch anders.

 ***

Hallo! Ich bin Tex­te­rin für Web­sei­ten, und wenn ich benen­nen müss­te, wel­che Bran­che die schlech­tes­ten Online­prä­sen­zen hat, würde ich ohne zu zögern „Immo­bi­li­en­mak­ler“ sagen. Ich schaue mir regel­mä­ßig Web­sei­ten von Mak­lern an, weil ich Text­bei­spie­le für mei­nen Insta-Account suche oder gera­de selbst für jeman­den aus der Immo­bi­li­en­bran­che texte.

Und was ich da sehe, finde ich in 95% aller Fälle ver­bes­se­rungs­wür­dig. Aus Mar­ke­ting-Sicht, aus Tex­ter-Sicht und auch aus pri­va­ter Sicht.

Das sind die häu­figs­ten Feh­ler auf Mak­ler-Web­sites:

In einer Bran­che, die sich gera­de im Umbruch befin­det und stär­ker zu kämp­fen hat als frü­her, kann ich mich über diese ver­ta­nen Chan­cen nur wun­dern.

Aber der Reihe nach.

Warum sind Webseiten für Immobilienmakler überhaupt so wichtig?

Weil jeder, der eine Immo­bi­lie kau­fen oder ver­kau­fen will, dort zuerst guckt. Auf der Web­site machen Inter­es­sen­ten sich ein ers­tes Bild und wägen ab, ob sie zum Hörer grei­fen oder nicht. Die Web­site ist die Basis jedes Unter­neh­mens­auf­tritts, ohne geht’s nicht.

Ich glau­be schon, dass Immo­bi­li­en­mak­ler das durch­aus wis­sen. Nur lei­der schei­nen die meis­ten über­for­dert, wenn es darum geht, womit man die Web­site fül­len soll. Oder sie unter­schät­zen die Rele­vanz der Texte. „Start­sei­te, hmm, weiß auch nicht“, denkt sich Immo­bi­li­en­mak­ler X aus Frei­burg, „gucken wir mal, was Immo­bi­li­en­mak­ler y aus Flens­burg auf sei­ner Web­site für Texte hat und las­sen uns inspi­rie­ren. Ah cool, ja das schrei­ben wir auch. Nur strei­chen wir ‘Flens­burg‘ durch und machen ‚Frei­burg‘ draus.“

So oder ähn­lich stel­le ich mir das vor, wenn Immo­bi­li­en­mak­ler ver­su­chen, Texte für ihre Web­sei­te zu schrei­ben. Zumin­dest kann ich mir nicht anders erklä­ren, warum alle Inhal­te nahe­zu iden­tisch klin­gen und nie­mand davon abweicht. Was uns zu Feh­ler Num­mer 1 führt:

Blabla, Floskeln und Phrasen

Ich möch­te ein gro­ßes Miss­ver­ständ­nis auf­klä­ren: Nur, weil es sich um eine Bran­che han­delt, heißt das nicht, dass alle Texte auch gleich klin­gen müs­sen. Näm­lich so:

„Wir sind Ihr kom­pe­ten­ter Immo­bi­li­en­mak­ler in Mus­ter­stadt! Seit 15 Jah­ren ste­hen wir Ihnen mit umfas­sen­der Bera­tung, kun­den­ori­en­tier­tem Ser­vice und Lei­den­schaft als Part­ner zur Seite. Von der Besich­ti­gung bis zur Schlüs­sel­über­ga­be sind wir für Sie da. Ihre Wün­sche zu berück­sich­ti­gen, ist unser gro­ßer Anspruch.“

Pro­blem 1:

Kom­pe­tent, Ser­vice, Lei­den­schaft – das sind alles aus­ge­tre­te­ne Flos­keln, die nichts aus­sa­gen und dem Kun­den kei­nen Mehr­wert bie­ten. Was für ein plas­ti­sches Bild ent­steht vor dem inne­ren Auge beim Lesen von kom­pe­tent? Eben. Keins.

Pro­blem 2:

Alles, was da an tol­len Vor­zü­gen auf­ge­zählt wird, erwar­te ich von vorn­her­ein von einem Immo­bi­li­en­mak­ler. Da muss man nicht in epi­scher Brei­te drauf hin­wei­sen.

Pro­blem 3:

Warum soll­te den Kun­den inter­es­sie­ren, dass der Mak­ler seit 15 Jah­ren aktiv ist? Warum schrei­ben Immo­bi­li­en­mak­ler immer diese „Seit-soundso-vielen-Jahren“-Texte auf ihre Home­page, anstatt sich in das rein­zu­füh­len, was der Kunde wirk­lich will – näm­lich end­lich ein Eigen­heim fin­den?

Fehler Nr.2:

zu wenig Suchmaschinenoptimierung

Immo­bi­li­en­mak­ler akqui­rie­ren immer in einer bestimm­ten Regi­on. Sie sind also auf Kund­schaft vor Ort ange­wie­sen. Um von die­sen gefun­den zu wer­den, müs­sen sie sich um loka­le Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung küm­mern. Denn poten­ti­el­le Kun­den gehen zuerst zu Goog­le und geben dort z. B. „Immo­bi­li­en­mak­ler Mus­ter­stadt“ ein. Dann kli­cken sie auf die Mak­ler-Sei­ten, die bei den Such­ergeb­nis­sen auf Seite 1 ange­zeigt wer­den.

Und dort ste­hen nur die Mak­ler, die ihre Web­sites mit Key­words gefüt­tert haben. Anstatt „Will­kom­men auf unse­rer Web­site“ zu schrei­ben. Mit die­ser Über­schrift wird nie­mand gefun­den.

Fehler Nr. 3:

zu viel Suchmaschinenoptimierung

 

Natür­lich gibt es auch Immo­bi­li­en­mak­ler, für die SEO-Texte kein Fremd­wort sind und die ihre Web­site opti­mie­ren. Aber dar­un­ter sind wie­der­um viele, die es in die ande­re Rich­tung über­trei­ben.

Sie glau­ben, dass es bei Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung nur darum geht, mög­lichst viele Key­words rund um das Immo­bi­li­en­the­ma in den Text zu bal­lern. Also tun sie das – und küm­mern sich nicht darum, ob der Text am Ende über­haupt noch leser­lich ist.

Fol­gen­der SEO-Text ist Wort für Wort von einer deut­schen Immo­bi­li­en­mak­ler-Home­page:

„Ihr Immo­bi­li­en­mak­ler in Mus­ter­stadt & Sach­ver­stän­di­ger für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser, Eigen­tums­woh­nun­gen, Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser, Grund­stü­cke, Stu­den­ten­woh­nun­gen, Neu­bau­pro­jek­te sowie Anla­ge­im­mo­bi­li­en in Mus­ter­stadt. Als Sach­ver­stän­di­ger für Immo­bi­li­en in Mus­ter­stadt ermitt­le ich pro­fes­sio­nell den Wert Ihrer Immo­bi­lie oder Ihres Inter­es­sens­ob­jek­tes. Die­ser wird von uns ermit­telt – so, dass Sie mit einer rea­lis­ti­schen Preis­vor­stel­lung in Mus­ter­stadt zusam­men mit einem Immo­bi­li­en­mak­ler an den Markt gehen kön­nen. Wir sind Ihr Mak­ler in und um Mus­ter­stadt für den rei­bungs­lo­sen Pro­zess!“

Das ist lieb­lo­se, hin­ge­klatsch­te Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung. Sol­che Immo­bi­li­en­mak­ler den­ken nicht dar­über nach, dass der­ar­ti­ge SEO-Texte auf der Web­site die Intel­li­genz ihrer Kun­den belei­di­gen.

Was viele Dienst­leis­ter nicht wis­sen: Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung bedeu­tet nicht in ers­ter Linie, Key­words ein­zu­set­zen. Son­dern mit dem Text genau die Ant­wort zu lie­fern, die der Leser beim Goog­len sucht.

Dazu muss man nicht zwan­zig­mal ein- und das­sel­be Key­word rein­schrei­ben. Son­dern vor allem den bes­ten, attrak­tivs­ten und infor­ma­tivs­ten Text for­mu­lie­ren, den es zu dem Such­be­griff gibt.

Fehler Nr. 4: keine Persönlichkeit

In jeder deut­schen Stadt gibt es Dut­zen­de von Immo­bi­li­en­mak­lern, die nur dar­auf war­ten, von Käu­fern und Ver­käu­fern enga­giert zu wer­den. Alle haben eine Web­site. Und alle bie­ten, bis auf ein paar feine Unter­schie­de, die­sel­ben Leis­tun­gen an.

Wie ent­schei­den Ver­käu­fer nun, wel­cher Mak­ler es wer­den darf? Nicht anhand der Web­site, wenn die genau­so nichts­sa­gend klingt wie beim Kon­kur­ren­ten. Also ver­an­stal­ten sie ein „Mak­ler­cas­ting“. Und wer dann den höchs­ten Ver­kaufs­preis nennt, erhält den Auf­trag. Egal, ob der rea­lis­tisch ist oder nicht.

So war es zumin­dest bis­her.

In die­sem Jahr, 2022, hat sich der Immo­bi­li­en­markt aller­dings etwas gedreht.

Die Prei­se sind gesun­ken, die Zin­sen gestie­gen. Ange­bo­te häu­fen sich, viele Käu­fer kön­nen die Finan­zie­rung nicht mehr stem­men.

Immo­bi­li­en­mak­ler ver­su­chen also wie­der ver­stärkt, auch Käu­fer anzu­spre­chen. Denn diese sind keine Bitt­stel­ler mehr, son­dern kön­nen etwas lang Ver­ges­se­nes tun: ver­han­deln. Doch davon ist auf den Mak­ler-Web­sites wenig zu mer­ken. Sel­ten fin­det man Sätze, die die Her­aus­for­de­run­gen der Käu­fer bezüg­lich Finan­zie­rung und Sanie­rungs- sowie Ener­gie­kos­ten anspre­chen.

Wie können Makler sich jetzt für potentielle Kunden von Mitbewerbern abheben?

Im Mar­ke­ting gibt es seit Lan­gem einen Begriff dafür: USP (Uni­que Sel­ling Pro­po­si­ti­on), zu deutsch „Allein­stel­lungs­merk­mal“. Dienst­leis­ter sol­len also über­le­gen, was sie anders, ja bes­ser machen als alle ande­ren, und das dann her­vor­he­ben.

Die Idee vom USP ist aber ver­al­tet. Sowohl Mar­ke­ting-Exper­ten als auch Dienst­leis­ter haben erkannt, dass die­ser Anspruch ein­fach nicht erfüll­bar ist. Allein in Ber­lin gibt es rund 2.000 Immo­bi­li­en­mak­ler.

Wie sol­len die denn alle ein Allein­stel­lungs­merk­mal aus dem Ärmel schüt­teln?

Der USP wird seit eini­gen Jah­ren ersetzt durch den Gedan­ken, dass es die Per­sön­lich­keit eines Dienst­leis­ters ist, die den Unter­schied für den Kun­den aus­macht. Ist ja auch logisch: Per­sön­lich­keit und Cha­ris­ma sind das Ein­zi­ge, was indi­vi­du­ell und nicht so leicht ver­gleich­bar ist.

Außer­dem besagt eine alte Mar­ke­ting-Weis­heit, dass Men­schen immer von Men­schen kau­fen. Indem wir etwas über ande­re Men­schen erfah­ren, bauen wir Ver­trau­en und Empa­thie auf und las­sen uns für sie gewin­nen. Wir bonden. Im Mar­ke­ting spricht man auch von Per­so­nal Brand oder Per­so­nen­mar­ke­ting – und das eig­net sich auch für Immo­bi­li­en­mak­ler.

Makler hatten schon immer ein schlechtes Image.

Tür auf­hal­ten und abkas­sie­ren, so stel­len sich viele den Job vor. Dabei erfor­dert es viel Fach­kennt­nis, Ein­füh­lungs- und Durch­hal­te­ver­mö­gen, eine Immo­bi­lie zu ver­kau­fen.

All diese Grün­de spre­chen also dafür, dass Mak­ler unbe­dingt ihre Per­sön­lich­keit auf der Web­site aus­spie­len soll­ten – sei es die eines ein­zel­nen Mak­lers oder eines Teams. Die muss man SEHEN kön­nen. Die Über-uns-Seite gehört nicht ohne Grund zu den meist­be­such­ten Unter­sei­ten einer Web­site.

Nur lei­der den­ken viele Immo­bi­li­en­mak­ler über­haupt nicht an eine Über-Seite, denn oft fehlt sie gänz­lich auf der Web­site. Und Fotos von den Mak­lern? Gibt’s nicht.

Statt­des­sen Luft­auf­nah­men vom Stadt­pan­ora­ma auf der Home­page (Start­sei­te) und see­len­lo­se Image­bil­der von STOCK, wo ein grin­sen­des Model einem ande­ren grin­sen­den Model gera­de was ver­kauft.

Nir­gends erfährt man etwas über die Per­so­nen hin­ter dem Unter­neh­men, ihre Beweg­grün­de, ihren Wer­de­gang und was sie jeden Tag antreibt und moti­viert.

Dabei könn­ten Immo­bi­li­en­mak­ler durch sol­che Texte auf der Web­sei­te viel leich­ter Kun­den für sich gewin­nen!

Denn Kauf­ent­schei­dun­gen bzw. Ent­schei­dun­gen zur Zusam­men­ar­beit wer­den immer emo­tio­nal getrof­fen.

*

So, nun habe ich ziem­lich viel geme­ckert. Dabei will ich es aber nicht belas­sen. Ich schrei­be die­sen Blog­bei­trag ja, um Mak­lern zu sagen, dass es auch anders geht. Und es gibt ja auch nicht nur DIE Immo­bi­li­en­mak­ler, ich will nicht alle über einen Kamm sche­ren. Klar möch­te jeder gut bei Inter­es­sen­ten ankom­men, nur unter­schät­zen viele die Wir­kung einer Web­site bzw. ken­nen sich damit nicht aus.

Die gute Nach­richt: Online-Texte sind nicht in Stein gemei­ßelt.

Jeder Immobilienmakler, der seine Website verbessern möchte, kann direkt damit anfangen.

 

Fol­gen­de Fra­gen hel­fen beim Tex­ten:

Wel­che (Ver-)Käufer will ich anspre­chen?

Was bewegt diese Men­schen, was sind ihre Schmerz­punk­te?

Wie kann ich mich in sie rein­füh­len, anstatt nur über mich zu schrei­ben?

Wie kann ich meine Vor­ge­hens­wei­se detail­liert beschrei­ben, ohne ein­fach „Ser­vice“ und „Kom­pe­tenz“ zu sagen?

Kein Allein­stel­lungs­merk­mal auf Krampf. Aber gibt es trotz­dem etwas, das ich oder das Team beson­ders gut kön­nen?

Wie kann ich auf einer Über-uns/­mich-Seite von mir und mei­nem Team erzäh­len?

Was ver­bin­det mich mit der Stadt, in der ich arbei­te?

Warum bin ich Mak­ler gewor­den und was ist das Tolle an die­sem Job?

 

Zuge­ge­ben, das sind jetzt eine ganze Menge Denk­an­stö­ße. Und wir wol­len ja dabei auch die not­wen­di­ge Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung nicht ver­ges­sen. Wem das jetzt alles zu viel erscheint, dem helfe ich gern. Denn am liebs­ten texte ich für Kun­den, die nicht mehr nach Bla­bla klin­gen, son­dern etwas Eige­nes ein­brin­gen wol­len  — wie zum Bei­spiel die Immo­bi­li­en­mak­le­rin Anne Löwen­stein, deren Web­site ich getex­tet habe.

 

PS: Ich weiß, dass ich im Text oft zwi­schen „Web­site“ und „Web­sei­te“ sprin­ge. Rich­tig wäre eigent­lich „Web­site“. Eine Webseite ist eine Unter­sei­te, die Website aber ist die gesam­te Online­prä­senz. Da mein Haupt-Key­word aber „Web­sei­ten für Immo­bi­li­en­mak­ler“ lau­tet und Goog­le außer­dem Syn­ony­me mag, wechs­le ich die Schreib­wei­se hier ab. Denn was bringt ein Blog­ar­ti­kel über Mak­ler-Web­sites, wenn er nicht von Mak­lern gefun­den wird?

 

 

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„Eigentlich“: eigentlich ein krass unterschätztes Wort

Nutze Verbindungswörter und dein Text klingt sofort flüssiger

Lesen sich deine Texte irgend­wie abge­hackt und steif? Keine Sorge, flüs­sig zu schrei­ben kannst du leicht ler­nen. Zu einem guten Lese­fluss ver­hilft eine Grup­pe von Wör­tern, die eigent­lich jeder kennt.

 ***

Ich mag das, wenn ich einen Text lese, bei dem der eine Satz auto­ma­tisch in den nächs­ten führt und so ein gewis­ser Schwung in der Geschich­te steckt. Wenn ich in einen rich­ti­gen Lese­fluss rein­kom­me und alles aus einem Guss wirkt.

Flüs­sig zu for­mu­lie­ren ist etwas, dass vie­len Men­schen leicht gelingt, weil sie ein gutes Sprach­ge­fühl haben und gar nicht groß drü­ber nach­den­ken, wie sie einen Text rich­tig schrei­ben sol­len.

Ande­re tun sich eher schwer und fabri­zie­ren Haupt­sät­ze, die wie aus dem Mund eines Feld­we­bels klin­gen. Aber um einen schö­nen Lese­fluss zu erzeu­gen, kön­nen wir ein­fach auf soge­nann­te Ver­bin­dungs­wör­ter zurück­grei­fen.

Hier mal ein Beispieltext:

Vor ein paar Jah­ren fing Hans Han­sen an, als Schreib­coach zu arbei­ten. Obwohl ihn anfangs kein Schwein kann­te. Monat für Monat aber wurde sein Lese­fluss-Work­shop öfter gebucht. Weil er ein­fach so herr­lich flüs­sig schrei­ben konn­te, dass die Kun­den wie gebannt seine Texte lasen. Des­halb ist er mitt­ler­wei­le schon Mil­lio­när und müss­te gar keine Tipps zum gute Texte schrei­ben mehr geben. Trotz­dem macht er wei­ter, weil er so viel Spaß dran hat.

In die­sem Text ste­cken lau­ter Wör­ter, die Bezug auf den vor­an­ge­gan­ge­nen Satz neh­men und dadurch eine Ver­bin­dung  zwi­schen allen Sät­zen schaf­fen:

Vor ein paar Jah­ren fing Hans Han­sen an, als Schreib­coach zu arbei­ten. Obwohl ihn anfangs kein Schwein kann­te. Monat für Monat aber wurde sein Lese­fluss-Work­shop öfter gebucht. Weil er ein­fach so herr­lich flüs­sig schrei­ben konn­te, dass die Kun­den wie gebannt seine Texte lasen. Des­halb ist er mitt­ler­wei­le schon Mil­lio­när und müss­te gar keine Tipps zum gute Texte schrei­ben mehr geben. Trotz­dem macht er wei­ter, weil er so viel Spaß dran hat.

Wie du siehst, ste­hen die Ver­bin­dungs­wör­ter meist am Anfang eines Sat­zes. Lies mal einen der Sätze ohne den Kon­text, dann ergibt er kei­nen Sinn, etwas fehlt:

Obwohl ihn anfangs kein Schwein kann­te.

Äh, wie bitte?

Formulierst du den Text hingegen ohne Verbindungswörter, stört das den Lesefluss:

Vor ein paar Jah­ren fing Hans Han­sen an, als Schreib­coach zu arbei­ten. Anfangs kann­te ihn kein Schwein. Monat für Monat wurde sein Lese­fluss-Work­shop öfter gebucht. Er konn­te ein­fach so herr­lich flüs­sig schrei­ben, dass die Kun­den wie gebannt seine Texte lasen. Mitt­ler­wei­le ist er schon Mil­lio­när und müss­te gar keine Tipps zum gute Texte schrei­ben mehr geben. Er macht wei­ter, weil er so viel Spaß dran hat.

Jeder Satz eine Insel, die nur für sich steht.

Ver­bin­dungs­wör­ter bezie­hen sich auf

  • eine zeit­li­che Abfol­ge
  • eine Fol­ge­rung
  • eine Begrün­dung
  • einen Ver­gleich
  • oder einen Gegen­satz.

Wir benut­zen sie jeden Tag hun­dert­mal beim Spre­chen. Hier eine Auf­zäh­lung der gän­gigs­ten Ver­bin­dungs­wör­ter:

Und

Außer­dem

Erst,…dann…

Weil

Oder

Auch

Denn

Des­halb

Genau­so

Damit

Aber

Obwohl

So

Als

Wobei

Trotz­dem

Wenn du zwei los­ge­lös­te Sätze hast, die sich eigent­lich auf­ein­an­der bezie­hen, kannst du test­wei­se ein Ver­bin­dungs­wort ein­fü­gen:

Vorher:

Unser Laden in der Haupt­stra­ße wird 20 Jahre alt. Wir laden Sie ganz herz­lich zur Jubi­lä­ums­fei­er ein.

Nachher:

Unser Laden in der Haupt­stra­ße wird 20 Jahre alt. Des­halb laden wir Sie ganz herz­lich zur Jubi­lä­ums­fei­er ein.

Viel­leicht hast du gemerkt, dass Ver­bin­dungs­wör­ter eine gewis­se Schnitt­men­ge mit Füll­wör­tern haben, von denen ich aber durch­aus ein Freund bin. Denn beide Wort­ar­ten hel­fen dir, flüs­sig zu schrei­ben und den Text mensch­lich klin­gen zu las­sen. Und das soll er ja auch. Statt Feld­we­bel ;-).

 

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