Die Kunden, für die ich texte, fragen mich oft, ob sie in ihrer Unternehmenskommunikation gendern sollten. Weil wir darüber so oft sprechen, habe ich mir dazu mal ein fiktives Gespräch ausgedacht, das den Querschnitt aller Gender-Diskussionen mit meinen Kunden abbildet und dir Antworten liefert.
Lena: „…das wären dann soweit alle Rückfragen zum Fragebogen, außer noch beim Gendern, da hast du angekreuzt, dass du da gern noch Beratung zu hättest.“
Kunde: „Ja genau. Da bin ich mir einfach noch unsicher.“
L.: „Hast du denn bisher deine Kunden gegendert?“
K.: „Nein.“
L.: „Aber du bist dem Gendern gegenüber generell nicht abgeneigt?“
K.: „Also ich würde ja schon gern alle mit einbeziehen, die Idee finde ich grundsätzlich gut.“
L.: „Okay. Also. Gendern ist ja Teil der Positionierung und der Corporate Language. Ich sage immer, dass man zwei Aspekte bei der Entscheidung beachten sollte: Einmal, wie du als Absender dazu stehst, und dann natürlich, ob deine Zielgruppe gender-affin ist.“
K.: „Ist denn nicht entscheidend, was die Zielgruppe gut findet?“
L.: „Ja, schon, aber du musst dich ja auch damit identifizieren können.“
K.: „Hm.“
L.: „Als Personalvermittler hast du ja auch viel mit CEO’s zu tun, die du im Fragebogen als überwiegend 50+ und männlich beschrieben hast.“
K.: „Stimmt, die machen den Großteil aus.“
L.: „Wie hast du die bisher kennengelernt? Gendern die?“
K.: (lacht) „Nein.“
L.: „Siehst du, das ist ja schon mal ein wichtiges Indiz. Würden die dir den Rücken kehren, wenn du anfangen würdest zu gendern?“
K.: „Das jetzt vielleicht nicht direkt, aber entzücken würde es sie auch nicht.“
L.: „Bleibt die Frage nach dem, was du willst. Du musst dich ja auch mit deinen Texten wohlfühlen.“
K.: „Wie machst du selbst das denn als Texterin?“
L.: „Ich gendere nicht, aber meine eigenen Beweggründe lasse ich außen vor, wenn ich Kunden dazu berate.“
K.: „Also ich finde Gendern eigentlich richtig.“
L.: „Also nicht nur in den Texten, sondern generell auch beim Sprechen?“
K.: „Ähm…“
L.: „Weil, wenn deine Kunden erst deine Website lesen und dann aber mit dir direkt sprechen am Telefon oder bei Teams, und merken, huch, der gendert ja mündlich gar nicht, das ist dann natürlich nicht authentisch.“
K.: „Stimmt auch wieder.“
L.: „Und du müsstest das Gendern auch überall in der Kommunikation durchziehen, also nicht nur auf der Website, sondern auch im Newsletter, im Angebot,…“
K.: „Ich hab mal gelesen, dass die meisten Deutschen das Gendern ablehnen.“
L: „Ja, das stimmt, da gibt es aktuelle Studien zu. Ich vermute, da steckt eine Art Trotz hinter, nicht erzogen werden zu wollen. Aber ich würde das wirklich immer von der Zielgruppe abhängig machen. Gibt auch Bereiche, zum Beispiel Start-ups oder im Sozialen, da ist Nicht-Gendern fast schon ein Ausschlusskriterium. Aber wiederum Handwerker, Finanzen oder der klassische Mittelstand, da ist es nicht üblich.“
K.: „Wenn ich aber sagen würde, ich will jetzt in den Texten für meine Kunden gendern, dann würdest du das machen?“
L.: „Ja, du müsstest dann halt noch entscheiden, auf welche Art.“
K.: „Art?“
L.: „Also ob mit Sternchen, Unterstrich, großem Binnen‑I, Doppelpunkt…“
K.: „Ah ja, stimmt. Ist das dann aufwändiger für dich zu texten?“
L.: „Ja, ist es, aber da richte ich mich wirklich nach meinen Kunden und nehme das dann in Kauf. Und tatsächlich unterstützt mich da auch KI ganz gut. Also ich texte nicht mit KI, aber sie kann am Schluss gut kontrollieren, ob ich irgendwo noch ein Gendersternchen vergessen habe.“
K.: „Aber die Leserlichkeit würde ja wahrscheinlich schon etwas leiden.“
L.: „Den Lesefluss erleichtert hat das Gendern noch nie. Aber man kann das schon so texten, dass du vom Lesen keinen Knoten im Gehirn bekommst.“
K.: „Ah okay. Gut! Das war jetzt doch ziemlich aufschlussreich.“
L.: „Letztlich ist Gendern keine Frage von richtig oder falsch, sondern von was passt zu dir, und welche Kunden willst du damit erreichen. Wenn du das weißt, ist die Entscheidung eigentlich nicht so schwer.”
K.: „Ja, klingt sinnvoll. Ich glaube, ich muss da nochmal drüber schlafen.”
L.: „Völlig okay. Wenn du dich entschieden hast, sagst du mir einfach Bescheid, und ich fange dann mit dem Austexten an.“
K.: „Super, danke. Das hat mir echt geholfen.”

