Ich bin Website-Texterin und habe im Lauf der Jahre so viele Domains aufgebaut bzw überarbeitet, dass ich dir gern verrate, welche Elemente meiner Meinung nach unverzichtbar sind. Denn, Spoiler: Was eine gute Website ausmacht, sind nicht nur die offensichtlichen Dinge.
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Mit „offensichtlichen Dingen“ meine ich Bausteine wie eine gute Domain, ein CMS wie WordPress oder auch Impressum und Datenschutz – das weißt du sicher selbst oder hast es dir von den Website-Erstellern deines Vertrauens sagen lassen. Mir geht es hier mehr darum, welche weichen, indirekten Faktoren die Linie ziehen zwischen einer Website, die nach 3 Sekunden wieder weggeklickt wird und einer, die dieses „Japp, hier bin ich goldrichtig“-Gefühl erzeugt.
Legen wir los: Welche 5 Bausteine machen eine gute Website aus?
1. Klarheit
Das klingt jetzt erstmal simpel, aber tatsächlich ist Klarheit etwas, das vielen Websites fehlt. Vielleicht kennst du das, wenn du auf eine Homepage klickst und Ewigkeiten brauchst, bis du verstanden hast, worum es dort denn geht.
Okay, Coaching, aber wofür?
Aha, Immobilienvermittlung, aber für welche Region denn?
Mal schauen, Selbstverteidigung und Kickboxen, aber von wem und für welche Zielgruppe und in welchem Ort?
Viele Website-Inhaber stellen ihr Angebot nicht schnell und klar dar und merken es nicht. Das liegt daran, dass sie selbst so in ihrer Expertise drinstecken, dass sie den objektiven Blick von außen – also den ihrer Zielgruppe – verloren haben.
Dazu mal ein Beispiel aus meiner Praxis:
Bei einer Party vor einiger Zeit habe ich Smalltalk gehalten mit einem anderem Gast, und es fiel die Frage, was ich beruflich mache. Ich antwortete „SEO-Texterin“ und schob dann noch zwei, drei Sätze zu den Details hinterher, als mich mein Gegenüber unterbrach und fragte: „Ähm, nochmal zurück zum Anfang, was ist denn dieses Siho überhaupt?“
Nicht jeder weiß, was für dich selbstverständlich ist.
Stelle deshalb auf jeder deiner Seiten, also Start, Über, Angebot usw. gleich am Anfang klar, um was es bei dir geht – was, wo, wer, wie, weshalb und wozu man das buchen soll. Sonst verlassen mögliche Kunden deine Seite wieder, noch bevor du „Das kommt doch gleich!“ sagen kannst.
2. Witz
Nein, damit meine ich keine Jokes à la „Treffen sich ein Deutscher, ein Franzose und ein Schweizer“. Sondern Witz im Sinne von Esprit. Originalität. Schmackes. Kante. Pfiff. Denn nichts wirkt so einschläfernd wie langweilige Websites, die voll von Phrasen sind und 10 km gegen den Wind nach ChatGPT riechen.
Was eine gute Website ausmacht, sind Texte jenseits von „Willkommen auf unserer Homepage“ und „Wir sind der kompetenter Partner an Ihrer Seite.“ Lass stattdessen deine Persönlichkeit, deine Meinung und deine sprachlichen Eigenheiten einfließen, um Leser für dich zu gewinnen und dich nahbar und unverwechselbar zu machen.
Wenn dich das Thema interessiert, findest du hier nähere Tipps:
„Willkommen auf unserer Website“? Nein, bitte nicht
Storytelling für den Awww-Effekt
3. Vertrauen
Damit deine Zielgruppe dein Angebot kauft, muss sie dir vertrauen. Und eine Website hat die Aufgabe, dieses Vertrauen aufzubauen. Dazu gibt es die typischen Trust-Elemente, die du beim Erstellen mit einbeziehen solltest:
Impressum & Datenschutz
Ist Pflicht und selbstredend. (Da gucken übrigens mehr Menschen drauf als du vermuten würdest)
Über-uns/mich-Seite
mit echten Namen, Gesichtern, Hintergrundinfos und Reason why, also warum du tust, was du tust
Kontaktmöglichkeiten
E‑Mail ist Minimum; Telefon und Anschrift können, aber müssen nicht.
Preise
Viele Selbstständige hadern mit der Preisnennung. Aber ich bin klar der Meinung, dass die Angabe von Preisen eine gute Website ausmachen, was einfach an der Transparenz und Fairness liegt. Und du gehst respektvoll mit den Kapazitäten der Kunden um (weil sie nicht erst Zeit investieren müssen, um nachzufragen, nur um dann festzustellen, dass du gerade zu teuer für sie bist).
Kundenstimmen / Testimonials
Der Klassiker zum Vertrauensaufbau. Am besten noch mit richtigem Namen, Foto und Verlinkung, wenn möglich
Referenzen & Logos
von deinen Kunden/Partnern
Bewertungen
(Google, ProvenExpert, Trustpilot)
Case Studies / Projekte / Portfolio / Arbeitsproben
mit belegbaren Ergebnissen
Blogbeiträge
Zeigt, dass du weißt, wovon du sprichst. Du liest ja auch grad einen 😉
Professionelles Design
Ich weiß, selbst bauen ist günstiger. Aber es sieht dann eben auch selbstgebaut aus.
4. Mehr Seiten als Start, Über und Angebot
Kundenanfragen kannst du ja über alle möglichen Wege erhalten, die Website ist nur eine Option von vielen. Manche Experten erhalten zum Beispiel Projekte durch Weiterempfehlungen oder weil sie gut netzwerken oder eh schon zwei, drei profitable Stammkunden haben.
Deshalb sehen viele Dienstleister ihre Website eher nur als „Visitenkarte“, auf der man nochmal kurz nachlesen kann, was denn so die wichtigsten Parameter für die Zusammenarbeit sind. Entsprechend schlank sind dann auch diese Websites: Start, Über und Angebot, oder gleich ein Onepager.
Dieses Kalkül kann auch aufgehen, aber ehrlich gesagt sind das liegengelassene Chancen. Eine Website kann nämlich viel mehr leisten: Gefüllt mit Infos, Storytelling, Referenzen und Blogbeiträgen, zieht sie Traffic für dich an und nimmt dir Überzeugungsarbeit und Akquiseaufwand ab. Was eine gute Website ausmacht, ist Volumen.
Und: Wenn du außerhalb von Kleinkleckersheim gefunden werden willst, schaffst du das nur mit einer großen Website. Drei Seiten sind einfach zu wenig, um überregional gefunden zu werden und mithalten zu können (es sei denn, du bist so spitz positioniert, dass du keine Konkurrenz hast, aber wer ist das schon).
Ich werde mit meiner Website überregional gefunden, und zwar weil ich blogge. Mit den klassischen Seiten allein würde man mich weder in Husum noch in Heidelberg finden.
Außerdem wirkt auch Umfang vertrauensbildend. Wer bei dir mehr zu lesen findet – Antworten auf typische Fragen, Einblicke in deine Arbeit, Beispiele und Referenzen – hat das Gefühl, dich zu kennen, bevor er überhaupt Kontakt aufnimmt.
Mit welchen Seiten du deine Website sinnvoll erweitern kannst, liest du hier.
5. Aktualität
Website einmal erstellen lassen und dann nie wieder anrühren? Schön wär’s. Eine Website muss dauerhaft aktualisiert und frisch gehalten werden. Manche Websites wirken wie Zeitkapseln, mit noch so Hinweisen, dass wegen Corona bis auf Weiteres nur telefonisch gearbeitet wird. Spoiler: Wir schreiben nicht mehr 2020 (eine Website von 2020 ist in Internetjahren ungefähr Mitte 30).
Veraltete Inhalte schrecken nicht nur Besucher ab, sondern sind auch ein Signal an Google, dass hier schon länger keiner mehr den digitalen Besen geschwungen hat. Dabei bevorzugen Suchmaschinen frische Inhalte! Und Menschen übrigens auch.
Regelmäßige Updates, neue Referenzen oder ein aktueller Blog zeigen, dass dein Angebot lebt und du im Geschäft bist. Das steigert nicht nur deine Chancen auf bessere Rankings, sondern auch das Vertrauen deiner Besucher.
Fazit
Was eine gute Website ausmacht, ist natürlich noch mehr als die 5 Punkte, die ich aufgezählt habe. Aber:
Das hier sind die weniger offensichtlichen Faktoren, bzw. die, die man schnell man vergisst oder gar nicht erst beachtet. Wenn du dich also daran etwas orientierst, kann es nicht die schlechteste Website der Welt werden 😉.
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