Die Hel­den­rei­se wird gern benutzt, um Über-mich-Sei­ten zu tex­ten und sich als Selb­stän­di­ger nah­bar zu machen. Das ist okay – wenn es nicht erzwun­gen wirkt.

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Bist du Unter­neh­mer und hast schon mal von der soge­nann­ten „Hel­den­rei­se“ gehört? Das ist ein Begriff aus dem Mar­ke­ting, mit dem gemeint ist, dass du eine fes­seln­de Geschich­te erzählst.

Du kennst das bestimmt aus Fil­men und Büchern, wo der Held ein Aben­teu­er durch­läuft und die Geschich­te in bestimm­te Pha­sen auf­ge­teilt wird. Harry Pot­ter, Luke Sky­wal­ker, Bilbo Beut­lin – alle Hel­den, alle auf der Reise.

Über­tra­gen auf die Selbst­ver­mark­tung von Unter­neh­mern und Solo-Selb­stän­di­gen bedeu­tet das, den eige­nen Wer­de­gang als Story mit Aufs und Abs dar­zu­stel­len. Du weißt ja:

Wenn es darum geht, direkt mit Men­schen zusam­men­zu­ar­bei­ten und es also auf Sym­pa­thie und die rich­ti­ge Che­mie ankommt, muss man irgend­wie mit der Ziel­grup­pe bonden. Und die Hel­den­rei­se scheint auf den ers­ten Blick der Schlüs­sel dafür zu sein:

Emotionale Anziehungskraft

Dank der Hel­den­rei­se kön­nen sich deine Kun­den emo­tio­nal mit dir ver­bin­den. Durch die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dir tau­chen sie stär­ker in deine Bot­schaft ein.

Storytelling

Men­schen lie­ben Geschich­ten. Mit der Hel­den­rei­se kannst du deine per­sön­li­che Geschich­te, die Her­aus­for­de­run­gen und dei­nen Erfolgs­weg prä­sen­tie­ren. Das macht die Infor­ma­tio­nen leich­ter ver­dau­lich und ein­präg­sa­mer.

Überzeugungskraft

Held zu sein hilft dir, das Ver­trau­en der Kun­den in dich auf­zu­bau­en. Indem du dei­nen eige­nen Wer­de­gang und die Ent­wick­lung als Reise dar­stellst, zeigt du, dass du die Her­aus­for­de­run­gen über­wun­den hast und dei­nen Kun­den bei deren eige­nen Her­aus­for­de­run­gen hel­fen kannst.

Klarheit und Struktur

Die Hel­den­rei­se bie­tet dir eine klare Struk­tur für die Kom­mu­ni­ka­ti­on von Bot­schaf­ten: Du kannst das, was du sagen willst, ein­fach in einer logi­schen Rei­hen­fol­ge prä­sen­tie­ren, sodass deine Web­site effek­ti­ver wird.

Einzigartigkeit

Alleinsg­tel­lungs­merk­mal? Na ja. Aus der Masse an Mit­be­wer­bern her­aus­ste­chen kön­nen wir heut­zu­ta­ge eigent­lich nur noch durch unse­re Per­sön­lich­keit. Und die trans­por­tierst du durch deine indi­vi­du­el­le Hel­den­rei­se, weil sie natür­lich auf dei­nen urei­ge­nen Erfah­run­gen und Her­aus­for­de­run­gen basiert. So hebst du dich leich­ter von der Kon­kur­renz ab.

 

Und wie lesen sich Heldenreisen in der Praxis? Ungefähr so:

Frü­her war ich ange­stellt und damit ganz unglück­lich, ich war fremd­be­stimmt und konn­te mich nicht selbst­ver­wirk­li­chen, ich konn­te nicht mei­ner wirk­li­chen Lei­den­schaft nach­ge­hen, dann habe ich all mei­nen Mut zusam­men­ge­nom­men und mich selb­stän­dig gemacht, auch wenn alle gesagt haben du schaffst das nicht, aber ich hab mich durch­ge­kämpft, jetzt bin ich selb­stän­dig und lebe mei­nen Traum, alles ist gut und du kannst das auch haben, wenn du willst.

Klar, ich über­trei­be hier ordent­lich. Aber tat­säch­lich begeg­net einem diese Story in abge­wan­del­ter Form auf gefühlt jeder drit­ten Über-mich-Seite.

Und ja, auch auf mei­ner eige­nen Seite liest sich das so ähn­lich. Weil es so war. Was ich kri­ti­sie­re an der Hel­den­rei­se, ist dass sie zu oft an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen wirkt und wird. Du merkst beim Lesen: Aha, da hat jemand von der Hel­den­rei­se gehört und über­trägt das jetzt auf Bie­gen und Bre­chen auf die eige­ne Vita.

Es hat ein­fach nicht jeder die­sen Selbst­ver­wirk­li­chungs­trip hin­ter sich. Was ja auch über­haupt nicht schlimm ist! Es gibt es so viele ande­re Mög­lich­kei­ten, sich authen­tisch und sym­pa­thisch zu prä­sen­tie­ren.

Alternativen zur Heldenreise:

    Deine Werte

    Beschrei­be deine per­sön­li­chen Werte und die Phi­lo­so­phie, die dich jeden Mor­gen auf­ste­hen lässt. Erklä­re, warum diese Werte für dich wich­tig sind und wie sie deine Ent­schei­dun­gen und Hand­lun­gen beein­flus­sen.

    Beruf­li­che Reise

    Stel­le deine beruf­li­che Ent­wick­lung dar, ohne dich als kämp­fe­ri­schen Held zu beschrei­ben.

    Zeige dei­nen Kun­den ein­fach die ver­schie­de­nen Sta­tio­nen dei­ner Kar­rie­re, die dich geprägt haben, und erklä­re, wie du dich beruf­lich wei­ter­ent­wi­ckelt hast.

    Inter­es­sen

    Kon­zen­trie­re dich auf deine Lei­den­schaf­ten und Hob­bys. Teile mit dei­nen Lesern, was dich begeis­tert und moti­viert und wie dich das bis­her geformt hat.

    Erleb­nis­se und Lear­nings

    Erzäh­le von per­sön­li­chen Erfah­run­gen und den Lek­tio­nen, die du dar­aus gelernt hast. Das ist eine ehr­li­che und zugäng­li­che Mög­lich­keit, sich vor­zu­stel­len, ohne die tra­di­tio­nel­le Hel­den­rei­se zu ver­wen­den.

    Ziele und Visio­nen

    Erzäh­le den Lesern von dei­nen Zie­len und lang­fris­ti­gen Visio­nen. Erklä­re, was dich antreibt und wohin du dich ent­wi­ckeln möch­test, ohne dich in der Gegen­wart als „noch unvoll­endet“ dar­zu­stel­len.

    Ein­bli­cke in den All­tag

    Erzäh­le von dei­nem All­tag, um eine rea­lis­ti­sche­re und greif­ba­re­re Vor­stel­lung von dir selbst zu ver­mit­teln. Du enga­gierst dich im Ver­ein oder liebst dei­nen Gol­den Retrie­ver über alles? Auch sol­che Bei­spie­le machen nah­bar.

    Humor und Per­sön­lich­keit

    Nutze Humor und zeige deine Per­sön­lich­keit. Eine locke­re und authen­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­se und eine natür­li­che Schrei­be kön­nen Wun­der wir­ken.

    Zita­te

    Inte­grie­re Zita­te oder Inspi­ra­ti­ons­quel­len, die dich beein­flusst haben. So kön­nen die Leser ver­ste­hen, wel­che Ideen und Werte dir wich­tig sind.

    Du siehst:

    Ver­bin­dung und Sym­pa­thie kön­nen auch ent­ste­hen, ohne dass du dich in ein heroi­sches Nar­ra­tiv zwängst. Indem du ein­fach beschreibst, was dich aus­macht und wie du arbei­test. Ganz ohne Ver­gan­gen­heits-Deep-Dive.

    Wenn sich eine Hel­den­rei­se anbie­tet, why not! Aber nicht auf Krampf. Wir müs­sen nicht alle Hel­den sein 😉.