Als Texterin habe ich natürlich eine Meinung zum Gendern. Nachdem ich jetzt schon wieder bei Instagram gefragt wurde, warum ich da nicht mitmache, schreib ich hier mal alles dazu runter.

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Ende 2020 baute ich meine Website um. Als sie fertig war und online ging, erzählte ich davon meiner Community bei Instagram: „Schaut gern mal rein auf www.textbueroblock.de!“

Wenig später schrieb mir eine Followerin eine private Nachricht:

„Hallo Lena,

du hattest ja um Feedback zu deiner Website gebeten. Mir ist gleich auf der Startseite aufgefallen, dass du nicht genderst. Warum schreibst du ‚Texter‘ und nicht ‚Texterin‘? Du bist eine Frau.“

Hatte ich um Feedback gebeten? Eigentlich nicht :-D. Ich lernte aber schnell, dass es Gender-Befürworter gibt, die nicht auf eine Einladung warten, um ihre Meinung kundzutun. Sie sagen dir einfach direkt, was sie denken. So ist es seitdem noch dreimal passiert. Immer bei Instagram, immer: Warum genderst du denn nicht?

Freundliche Frage aus reiner Neugierde oder implizierter Vorwurf – keine Ahnung, man kann das so oder so lesen. Fakt ist aber, dass ich als Texterin automatisch Berührungspunkte mit dem Thema Gendern habe.

Deshalb heute Butter bei die Fische: Nein, ich gendere nicht. Ich finde Gendern übertrieben. So, jetzt hab ich’s gesagt.

Dabei bin ich kein alter weißer Mann, sondern durchaus Feministin. Meine Abneigung gegen das Gendern ist nicht gleichzusetzen mit der Ablehnung von Diversität, Gleichstellung und Diskriminierungsfreiheit. Meine Mutter hat mich mit feministischen Werten erzogen und immer gepredigt, wie wichtig es ist, als Frau auf eigenen Füßen zu stehen.

Nein, ich habe nie Diskriminierung erfahren. Ich weiß also nicht, wie das ist und kann mich da in nichts reinfühlen. Trotzdem halte ich Gendern für den falschen Kampfplatz, um ein gleichberechtigteres Miteinander durchzusetzen. Aber der Reihe nach.

Gendern beim Texten

Zu meinem Beruf gehört es, bewusst und sensibel mit Sprache umzugehen. Und ich mach das gern. Schreiben ist für mich eine Form der Selbstverwirklichung. Worte, Stil und Sprachwitz so aufeinander abzustimmen, dass was Lesenswertes dabei herauskommt, erfüllt mich. Jeder Satz ist eine kleine Komposition in sich.

Viele argumentieren, dass Gendern die Sprache verkompliziert und den Lesefluss stört. Und ja, genauso empfinde ich das auch. Ich habe schon oft gemerkt, wie ich beim Lesen den Faden verloren habe, weil ich über Genderformulierungen gestolpert bin. Daran gewöhnt man sich, sagen viele. Auf den Gewöhnungseffekt warte ich immer noch.

Neulich las ich in einer Kolumne von Sybille Berg auf Spiegel Online:

 „Jedes könnte glauben, was es will. Den Vorgarten gestalten, wie es will. Es müsste andere nicht belehren. Korrigieren, herumschreien. Mit den Armen fuchteln.“

Ich finde Frau Bergs Texte toll, aber für mich klingt das einfach nur künstlich und erzwungen. Es lenkt mich völlig vom Inhalt ab. Unbekannte Wörter oder Wörter in ungewohntem Kontext sind für unser Gehirn Stress. Sprache muss sich aus sich selbst heraus ändern.

Wenn schon der Durchschnittsleser über solche Texte stolpert, wie ist das dann wohl erst für Nichtmuttersprachler, Menschen mit Leseschwäche oder kognitiver Einschränkung? Sprache vorsätzlich zu verkomplizieren heißt auch, Hürden höherzulegen und andere aus dem Diskurs auszuschließen.

Ich meine es so, wie ich es meine

Wir Deutschen verwenden das generische Maskulinum. Das heißt eine grammatisch-männliche Bezeichnung, die aber mit dem biologischen Geschlecht nichts zu hat. Wir sagen „Ich gehe zum Bäcker“, implizieren aber damit, dass es auch durchaus eine Bäckereifachverkäuferin sein könnte, die uns die Brötchen überreicht.

Wenn jetzt Gender-Befürworter sagen, dass das so nicht richtig ist, weil das andere Geschlechter nicht mit einbezieht, sprechen sie mir damit die Deutungshoheit über meine Intention ab. Ich sage „Bäcker“ und meine damit beide Geschlechter. Das lasse ich mir nicht als diskriminierend auslegen, wenn ich es nicht diskriminierend meine.

Die Mehrheit lehnt das Gendern ab

Nämlich rund 71 Prozent der Deutschen*, wie Studien belegen. Ich glaube nicht, dass diese 71 Prozent das Gendern ablehnen, weil sie ein Problem mit Diversität und Gleichstellung haben. Sondern weil sie nicht bevormundet oder erzogen werden wollen. Das ist eine Trotzreaktion, die sich gegen die aufgezwungene Sprachpolitik richtet und damit der Gleichberechtigung am Ende eher schadet als nützt.

Was ich meinen Kunden rate

Dass ich persönlich nicht gendere, bedeutet nicht, dass ich es auch meinen Kunden ausrede. Um Gottes Willen :-D. Da bin ich objektiv.

Die meisten Kunden wissen von vornerein, ob sie gendern wollen oder nicht. Da brauchen wir dann nicht weiter zu diskutieren. Einige aber sind sich unsicher und wollen dazu beraten werden. Ich komme an der Stelle nie mit meinen persönlichen Argumenten, sondern rate dazu, die Zielgruppe genauer ins Visier zu nehmen.

Denn die sollen sich ja in den Texten wiederfinden. Dazu mal ein Beispiel: In den letzten Monaten hatte ich zwei sehr gegensätzliche Kunden. Die eine Kundin bot Stylings mit nachhaltiger Kosmetik für (gleichgeschlechtliche) Hochzeiten an. Das andere war eine Immobilien-Unternehmensgruppe im gehobenen Segment.

Einer von beiden bekam gegenderte Texte. Was glaubst du, wer? 😉

Du siehst also, dass zum einen die Zielgruppe übers Gendern endscheidet. Zum andern sollst und darfst aber auch du dich wohlfühlen mit deinen Texten. Also: Geht dir das Binnen-Sternchen leicht über die Tastatur oder musst du dich jedes Mal überwinden? 

Und ganz wichtig: Hältst du das Gendern auch mündlich ein? Denn ich habe das eigentlich noch nie erlebt, dass ein Kunde, der im Text gendern wollte, auch beim Sprechen sowas wie „Berater-Pause-innen“ gesagt hat. Hat man dann den Gedanken dahinter wirklich verinnerlicht? Besonders authentisch finde ich das nicht.

Toleranz bedeutet, eine Meinung auszuhalten, die nicht der eigenen entspricht.

Ich weiß oft nicht, wie ich Leute einschätzen soll, die sich fürs Gendern stark machen. Ich bewundere ihren Antrieb, ihre Beweggründe und den Idealismus. Andererseits: ICH habe noch nie jemanden angeschrieben und gefragt „Warum genderst du, hm?“

Umgekehrt werde ich aber gefragt und soll mich erklären, wenn ich‘s nicht tue. Ist das tolerant? Keine Ahnung.

Was wirklich für mich zählt, ist, meinen beiden Kindern zu zeigen, was Gleichberechtigung und Diversität bedeuten. Und zwar nicht durch Reden, sondern im echten Leben. Das Durchsetzen geschlechtergerechter Sprache sehe ich nicht als Kernaufgabe des Feminismus.

Meine Söhne kennen seit ihrer Kindergartenzeit Familien mit gleichgeschlechtlichen Partnern. Zwei Mamas sind für sie normal. Genauso wie ein Papa, der jeden Tag für sie kocht. In ihren Zimmern haben sie Puppen, Nähzubehör und Bibi-und-Tina-CDs.

Worauf ich mich einlassen könnte, wäre das Gendern in der Anrede und da, wo es kontextbezogen wichtig ist, zum Beispiel bei Stellenanzeigen.

Sonst aber nicht.

 

 

*Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/news/zdf-politbarometer-mehrheit-der-deutschen-ist- gegen-gendersprache-in-medien-li.171998)

Smartphone mit Instragam Texten von Lena Instagram Account

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