Ich bin Texterin, habe eine Website und lasse mich online von Kunden finden. Dann sollte ich doch wohl, wie in der Kreativ-Branche bzw. im Marketing üblich, Arbeitsbeispiele und Referenzen zeigen, oder? Als Vertrauensbeweis und zur Veranschaulichung. Schließlich will niemand die Katze im Sack kaufen.
Kommunikationsdesigner zeigen im Portfolio ihre Designs, Werbeagenturen ihre 360°-Case Studies und Fotografen ihre Bilder von Hochzeits-Shootings. Und als Texterin könnte ich logischerweise meine Texte zeigen. Dann bekämen potentielle Kunden einen Eindruck davon, was für eine Arbeit sie von mir erwarten können und ob sie mich buchen wollen.
Das hab ich früher auch mal gemacht, auf einer eigenen Portfolio-Unterseite. Die hab ich aber mittlerweile gelöscht, weil ich dabei immer wieder auf Probleme stieß. Um es mal zusammenzufassen:
Es liegt im Wesen von Texten, flüchtig zu sein.
Angenommen, ich schreibe einem Kunden seine Website-Texte. Er veröffentlicht diese auf seiner Website, und ich könnte nun einfach auf meiner Portfolio-Seite einen Link zu seiner Website setzen. Dann könnten Interessenten draufklicken und sich das in Ruhe durchlesen. Allerdings:
Im Gegensatz zu Webdesign sind Texte weniger statisch und leichter veränderbar.
Was sich heute flüssig liest und richtig anfühlt, kann in drei Monaten an der ein oder anderen Stelle kneifen. Texte sind organisch. Was völlig normal ist. Mal kommen neue Infos hinzu, mal ändern sich Fakten oder die Positionierung, ein Wort soll gegen ein anderes ausgetauscht werden, eine neue Idee entsteht im Kopf und muss unbedingt raus.
Was also tun meine Kunden? Sie gehen in ihre Web-Texte rein und ändern sie selbst. Schreiben hier einen Satz neu oder da einen ganzen Absatz oder kürzen woanders. Das ist nicht kompliziert, sondern mal eben getan, wenn man sich minimal mit WordPress auskennt. Dazu ruft man nicht jedes Mal seine Texterin an.
Und natürlich dürfen Kunden ihre Texte ändern, denn es sind ihre und es ist ihre Website. Es ist völlig okay.
Nur: Dann sind es eben nicht mehr meine Texte, hinter denen und für die ich stehen kann.
Wenn ein Kunde in eine von mir getextete Seite den Zusatz „Das machen wir für Sie mit Herz und Verstand!“ einbaut, möchte ich damit nicht in Verbindung gebracht werden, weil das nicht meinem Verständnis von guten Texten entspricht. Ich bin da extrem empfindlich. Ich will nicht, dass jemand denkt, dass ich das geschrieben habe.
Oder es werden Sätze gelöscht, in denen eigentlich sorgsam recherchierte Keywords platziert waren. Was folglich Auswirkungen aufs Ranking hat.
Deshalb kann ich keine Links zeigen. Denn ich habe in den letzten sieben Jahren hunderte von Website-Texten geschrieben und kann nicht ständig kontrollieren, ob die sich inzwischen geändert haben.
Und ich texte auch nicht immer alles aus einem Guss für einen Kunden.
Vielleicht habe ich mal die Startseite geschrieben, aber der Blog ist in Eigenregie entstanden. Oder ich texte die komplette Website, aber der Slogan ist noch der alte Selbstgebastelte. Das können Interessenten aber nicht unterscheiden.
Außerdem:
Ich will nicht, dass fremde Dritte meine Texte copy’n‘pasten, weil sie denken, das wäre eine clevere Abkürzung für die eigenen Seiten. So entstehen doppelte Inhalte, die keinem nützen und von Google abgestraft werden. Von Urheberrechtsverletzung ganz zu schweigen. Kommt leider öfter vor, als man denkt.
Sollte ich vielleicht stattdessen Google-Rankings zeigen, die dank meiner SEO-Texte erzielt wurden?
Auch da habe ich ein ähnliches Problem, weil Rankings stetig schwanken und ich da nicht dauernd hinterher sein kann.
Oder einfach Screenshots von den Original-Texten machen und sie als Bild zeigen? Könnte man, sieht aber auf einer Unterseite nach beknackter Textwüste aus.
Worauf ich stattdessen setze: Kundenstimmen
Um meine Zielgruppe zu überzeugen, dass ich was kann, lasse ich zufriedene Kunden sprechen, mit echten Rezensionen bei Google und nochmal auf meiner Website, verteilt auf den Unterseiten.
Das ist für mich der authentischste Vertrauensbeweis. Denn während ein Portfolio nur eine Momentaufnahme ist, zeigt eine Kundenstimme, wie zufrieden jemand tatsächlich mit dem Gesamtpaket war.
Schließlich gibt’s von mir nicht nur aneinandergereihte Wörter, sondern auch Leistungen, die man nicht abbilden und verlinken kann: mein Mitdenken, meine Beratung, meine Ratschläge zum gesamten Website-Aufbau und mein unerschütterliches Intervenieren gegen jegliches Blabla und Phrasen-Recycling.
Und wenn Interessenten doch einen “echten” Text zu einer bestimmten Branche lesen möchten, schicke ich auf Anfrage gern Beispieltexte, die ich selbst ausgesucht habe und die genau so noch in meinem „Originalzustand“ existieren.