Seit es KI gibt, ist mein Job nicht mehr der­sel­be. Warum ich ChatGPT & Co selbst nutze, aber gleich­zei­tig genervt bin, liest du hier.

 

 

Ich weiß noch ganz genau, wann ich zum ers­ten Mal von Künst­li­cher Intel­li­genz gehört habe, und zwar war das in einer SPIE­GEL-Kolum­ne von Sascha Lobo, um 2022 herum.

Wir hät­ten ja alle keine Ahnung, was da jetzt auf uns zukä­me, schrieb er. KI würde unser Leben ähn­lich bahn­bre­chend ver­än­dern wie der Buch­druck das aus­ge­hen­de Mit­tel­al­ter oder die Indus­tria­li­sie­rung im 19. Jahr­hun­dert. Jobs wür­den mas­sen­haft abge­baut, ganze Mar­ke­ting-Kam­pa­gnen inner­halb von Sekun­den erstellt sein, Buch­hal­tung & Co wür­den revo­lu­tio­niert. Dass Wer­be­tex­ter als ers­tes über­flüs­sig wer­den, muss­te er gar nicht extra sagen. Das erklär­te sich von allein.

Okay, dach­te ich. Was jetzt?

Die Mona­te danach pas­sier­te aber gefühlt nichts, und ich mach­te wei­ter wie immer. Meine Kun­den brauch­ten Texte für ihre Web­site, und ich schrieb sie so, dass sie damit bei Goog­le auf­tauch­ten.

Natür­lich wurde KI aber doch prä­sen­ter. Und auf ein­mal häuf­ten sich online die Kom­men­ta­re von ande­ren frei­be­ruf­li­chen Tex­tern, die ver­such­ten, KI ein­zu­schät­zen und ob sie sich bald beim Arbeits­amt anstel­len müss­ten. Ich las sie alle. Und der Tenor war immer der­sel­be:

Nein, als Tex­ter müsse man keine Sor­gen wegen KI haben. Denn ChatGPT und Clau­de und wie sie alle hei­ßen, die mixen ja nur, was da ist, kön­nen nichts Per­sön­li­ches schrei­ben, sind vol­ler Feh­ler und Flos­keln. Tex­ter sind immer gefragt! Wer­den immer gefragt sein! Qua­li­tät, Qua­li­tät!

Ich woll­te gern glau­ben, was ich las, hatte aber so meine eige­nen Gedan­ken dazu.

Man spür­te die Unsi­cher­heit und Selbst­be­ru­hi­gung zwi­schen den Zei­len. Ist ja klar, dass Tex­ter so den­ken und argu­men­tie­ren, denn sonst schaf­fen sie sich  selbst ab. Was sol­len sie ande­res sagen?

KI nahm nun deut­lich Fahrt auf. Auf Social Media las ich immer mehr davon, und unzäh­li­ge Kurse zu „effi­zi­en­tem KI-Trai­ning“ plopp­ten auf. Von Anbie­tern, die selbst nur weni­ge Mona­te Vor­sprung hat­ten, um zu ler­nen, was sie nun leh­ren woll­ten.

Wäh­rend­des­sen war meine Auf­trags­la­ge wei­ter sta­bil, aber ich genoss das eher mit Vor­sicht.

Und die Art, wie KI online gefei­ert und befeu­ert wurde, stör­te mich ehr­lich gesagt auch.

Wenn dein Job in Frage gestellt und ersetzt wird durch Con­tent, der so deep ist wie Song­tex­te von Die­ter Boh­len, ist das nicht lus­tig.

Natür­lich habe ich mir selbst auch einen Account bei ChatGPT ange­legt, mehr noch, ich nutze die Bezahl-Ver­si­on. Ich muss ja wis­sen, womit ich es da zu tun habe. Und selbst­ver­ständ­lich arbei­te ich auch mit KI-Tex­ten. Aber nicht so wie viele Dienst­leis­ter. Ich lasse mir bei der Struk­tur bzw. dem Auf­bau von Tex­ten hel­fen oder wenn ich mal Wis­sens­lü­cken habe. KI ist mein Spar­rings­part­ner. Aber ich for­mu­lie­re immer selbst. Und auch die Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung kommt nicht von KI in den Text, weil, kann­se nicht.

Was ich wirk­lich scha­de finde, ist das Miss­ver­ständ­nis, dass die Leute den­ken, KI könne gute Web-Texte schrei­ben.

Wann immer mein Tele­fon nicht klin­gelt oder mein Email-Ein­gang nicht „Pling“ macht, stel­le ich mir einen poten­ti­el­len Kun­den vor, der sich gera­de gegen einen teu­ren SEO-Tex­ter und für KI-Texte in Sekun­den­schnel­le, aber null Euro ent­schie­den hat.

Viel­leicht hat er als Prompt ein­ge­ge­ben: Texte eine Start­sei­te für mich als Life-Coach. Und was macht KI dann? Sie guckt, wie ande­re Coa­ching-Web­sites so aus­se­hen, baut dar­aus den Quer­schnitt und spuckt fol­gen­den Text aus: „Herz­li­chen will­kom­men auf mei­ner Web­site!“

Und das, lie­ber Leser, ist ein abso­lu­tes Dilem­ma.

Denn das ist, sorry, ein mie­ser Text, der nicht auf eine Web­site gehört. Aus ganz unter­schied­li­chen Grün­den, die ich u.a. hier erläu­te­re.

Aber der Punkt ist: Der Coach merkt das nicht, weil er nicht weiß, wie Web-Texte funk­tio­nie­ren. Er hält das für einen guten Text, der ihm hof­fent­lich viele Auf­trä­ge ein­brin­gen wird. Und freut sich: Tex­ter-Kos­ten gespart, Web­site fer­tig.

Was er außer­dem nicht merkt: Dass ihm KI nicht sagt, wie er sein Menü sinn­voll auf­bau­en soll­te, wel­che Unter­sei­ten sich loh­nen, wel­che mit­ein­an­der ver­knüpft wer­den soll­ten und dass er drin­gend in ein pro­fes­sio­nel­les Busi­ness-Shoo­ting inves­tie­ren, Key­words recher­chie­ren und trans­pa­ren­te Prei­se nen­nen soll­te.

Weil er nicht weiß, dass er danach fra­gen muss. Ein Tex­ter hätte es ihm gesagt.

Das ist eine Lose-lose-Situa­ti­on für alle:

Für Tex­ter, weil sie nicht enga­giert wer­den. Und für alle Kun­den, weil sie sich mit schlech­ten KI-Tex­ten selbst ins Bein hacken, das aber nicht mer­ken.

Seit letz­tem Jahr sind mir in Sachen KI sehr unter­schied­li­che Fälle begeg­net:

So hab ich bei­spiels­wei­se mal bei frü­he­ren Kun­den auf der Web­site geguckt, was die jetzt so machen. Bei eini­gen habe ich ChatGPT-Texte erkannt.

Und dann lasse ich die Web­site durch meine SEO-Tools lau­fen und sehe, dass sie bei Goog­le völ­lig unter­ge­hen.

Das tut weh.

Tat­säch­lich ist es aber auch schon pas­siert, dass Kun­den auf mich zuge­kom­men sind, weil sie gemerkt haben, dass ihre KI-Texte nicht funk­tio­nie­ren. Das ist natür­lich tröst­lich und zeigt, dass es auch unter­schied­li­che Ansät­ze gibt.

Und klar gibt es noch genü­gend Men­schen, denen bewusst ist, dass sie zu KI-Tex­ten Per­sön­lich­keit, Hal­tung und Sto­rytel­ling addie­ren müs­sen, wenn sie jeman­den über­zeu­gen wol­len. Denn sonst klin­gen alle Texte gleich. Und wenn alle Texte gleich klin­gen, warum soll­te ein Inter­es­sent dann gera­de Anbie­ter A B und nicht Anbie­ter X Y wäh­len?

Stand jetzt ist meine Auf­trags­la­ge immer noch gut. Ich nehme an, weil ich schon län­ger dabei bin, ein gutes Netz­werk habe, wei­ter­emp­foh­len werde und auch Dau­er­kun­den habe.

Der Markt für Tex­ter wird sich aber ver­klei­nern, da bin ich mir sicher.

Gleich­zei­tig ist mein Tab mit ChatGPT immer geöff­net. Auch, weil ich es viel pri­vat nutze.

Dem­nächst besu­che ich mit mei­nem Sohn für ein paar Tage Ber­lin. „Erstel­le einen Sight­see­ing-Plan für 3 Tage mit pas­sen­den Akti­vi­tä­ten für Zehn­jäh­ri­ge und Hotel sound­so als Aus­gangs­punkt“ – das ist ein­fach unschlag­bar, und es begeis­tert mich.

Aber vor ein paar Tagen bin ich hier in Lüne­burg an einem Opti­ker vor­bei­ge­gan­gen, der auf sei­nen Schau­fens­ter-Pla­ka­ten KI-Models hatte. Und das wie­der­um fand ich abtör­nend.

Mein instink­ti­ves Gefühl war, ver­äp­pelt zu wer­den.

Der mensch­li­che Fak­tor fehl­te völ­lig, es kam null Empa­thie rüber. Und irgend­wo sitzt jetzt gera­de ein arbeits­lo­ses Bril­len-Model und weiß nicht, wie es seine Miete zah­len soll.

Man sieht: Es ist schi­zo­phren mit der KI. Es ist nicht schön zu sehen, wie das Web von schlech­ten, lang­wei­li­gen Tex­ten über­schwemmt wird. Gleich­zei­tig nutze ich auch die Vor­zü­ge von KI.

Aber wie ich an ande­rer Stel­le schon mal geschrie­ben habe: Wenns um reine Info-Ver­mitt­lung geht, ist KI klas­se. Nur über­all dort, wo es hilft, wenn’s men­schelt, hat sie nichts ver­lo­ren.

Das Geld, das man für einen SEO-Tex­ter aus­gibt, bekommt man wie­der rein. Aber wer reine KI-Texte ver­fasst und über­nimmt, bekommt über­haupt nichts rein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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