Ob dein Email-Newsletter geöffnet wird, hängt wesentlich davon ab, was du in die Betreffzeile schreibst. Ich erkläre anhand von echten Beispielen, was taugt und was nicht. Vorweg:
Was ist ein „Betreff“ eigentlich?
Bei jeder Email, egal ob Newsletter oder Gruß an deinen Onkel Norbert, gibt es eine Betreffzeile, die du ausfüllen kannst. Das ist die erste Zeile, die deine Empfänger sehen, noch bevor sie überhaupt entscheiden, ob sie öffnen oder löschen. Du erhältst umgekehrt natürlich auch solche Betreffzeilen:
Die Lehrerin deiner Tochter schreibt dort „Einladung Elternabend“.
Ristorante Buonasera schreibt „Bestätigung Reservierung“.
Und ein Arbeitskollege schreibt „Link zum Zoom-Call“.
Was unterscheidet E‑Mail-Betreffzeilen von Newsletter-Betreffs?
Ganz wichtig: Solche Mails müssen im Betreff lediglich sagen, worum’s geht. Hier geht es um Effizienz. Dein Gegenüber soll sofort wissen: Muss ich das wissen oder kann ich das löschen?
Bei Onkel Norbert musst du nicht mal einen Betreff reinschreiben, weil es privat und eventuell einfach egal ist.
Die Newsletter-Betreffzeile dagegen ist etwas völlig anderes.
Sie ist deine Eintrittskarte in den Postfach-Battle und konkurriert mit 37 anderen E‑Mails, die alle Aufmerksamkeit wollen. Ihre Aufgabe ist nicht primär Information, sondern Neugier wecken, Emotion auslösen, zum Öffnen verführen.
Das bedeutet: Was bei einer normalen Geschäfts-E-Mail notwendig ist, langweilt beim Newsletter zu Tode.
Warum ist der Newsletter-Betreff so wichtig?
Die Öffnungsrate deines Newsletters steht und fällt mit der Betreffzeile. Das ist keine Übertreibung. Selbst der beste Inhalt nützt nichts, wenn ihn niemand öffnet.
Wenn da sowas steht wie “Newsletter März 2026” oder “Neues von uns”, wird das höchstwahrscheinlich direkt gelöscht oder gleich der Email-abbestellen-Button geklickt.
Was gehört nicht in einen Newsletter-Betreff?
Allgemeines, Floskeln, Langeweile, Unternehmenssprech, Blabla.
Echte Beispiele für Newsletter-Betreffs aus meinen Emails
Folgende Beispiele sind alle von verschiedenen Newslettern, die ich abonniert habe. Sie kommen also alle aus meinem beruflichen B2B-Umfeld.
“Erstelle JETZT ein Wow-Angebot”
Wirkt auf den ersten Blick aktivierend durch “JETZT” und “Wow”, aber das sind genau die Buzzwords, die schon abgenutzt sind. “Wow-Angebot” klingt nach Marketing-Sprech. Was ist daran “wow”? Funktioniert vermutlich bei einer sehr warmen Liste, die schon weiß, worum’s geht – aber für Neulinge zu vage.
“Verloren in der Whiskey-Bar”
Ach herrlich. Ich liebe ja grundsätzlich Text, der sich was traut, anstatt allen anderen nach dem Mund zu reden. Hier weiß ich sofort, jetzt kommt Storytelleing; ich will wissen, was in der Whiskey-Bar passiert ist. Null Floskeln, maximale Persönlichkeit.
“Monatsrückblick Dezember — Seminarreihe 2026, Core Update, Jahresrückblick und mehr”
Hier wird zu viel gewollt. Informativ? Ja. Spannend? Null. Das ist wie “Newsletter März 2026”, nur länger. Wer nicht sowieso schon Fan ist, klickt hier nicht. Zu lang, zu allgemein.
“Wir schenken Dir eine Website-Analyse, Lena 🎁”
Personalisierung mit Namen ist nett, das Geschenk-Emoji auch. Und der konkrete Nutzen (Website-Analyse) ist gut. Kann man machen.
“Weihnachten. Durchatmen. Neu starten. Dein Januar im SaLü!”
Abonnenten wissen: da geht’s um eine Therme, die im Dezember Werbung macht. Rhythmisch, kurz, drei klare Beats. Spricht Emotionen an (Durchatmen nach der stressigen Zeit). Ist nicht revolutionär, aber ein guter Reminder.
“Die Top 21 Beiträge zum Jahresende”
Die Absenderin verrät hier, welche ihrer Blogbeiträge am besten funktioniert haben. Das ist interessant für alle, die selbst erfolgreich bloggen wollen. „21“ wirkt aber etweas random und auch zu groß.
“Die überstrapazierteste Phrase des Monats”
Das ist der Betreff einer Texterkollegin, und ich finds super. Welche Phrase? Kenn ich die auch? Benutze ich die vielleicht selbst? Sprachlich präzise (“überstrapazierteste”), thematisch klar, emotional involvierend. Würde ich öffnen.
“Aufgepasst, große Chance als Affiliate”
“Aufgepasst” und “große Chance”: Vorsicht, Spam-Sprech. Der Nutzen wird zwar deutlich, klingt aber für mich zu floskelig und vage („große Chance“).
“1953,– abgebucht 😱”
Noch mehr Storytlling! Und Spannung: Was ist passiert?! Die konkrete Zahl macht’s glaubwürdig. Das Emoji verstärkt die Reaktion. Polarisiert vermutlich, aber das ist gewollt.
“Diesen Denkfehler kläre ich als erstes im Kennenlern-Call”
Spricht mich direkt an: Mache ICH diesen Denkfehler? Persönlich formuliert (“ich kläre”), konkret (Kennenlern-Call), weckt Neugier (welcher Denkfehler?). Kein Marketing-Blabla, sondern eine echte Aussage. Funktioniert. Ach ja, und ist von mir 😉.
“Dein Kunde lügt (und du merkst es nicht)” Das ist mir persönlich zu billig und clickbait-ig. Einige mögen das spannend finden, mich törnt es aber eher ab. Sowas öffne ich aus Prinzip nicht.
“Tolle Angebote nur für Sie!”
….The audience has left the building.
Was kannst du daraus für deinen Newsletter-Betreff mitnehmen?
Sei konkret. “1953,– abgebucht” schlägt “große Chance” um Längen. Zahlen, Fakten, konkrete Details erzeugen Glaubwürdigkeit und Neugier. Vage Versprechen wie “spannende Neuigkeiten” oder “interessante Insights” landen dagegen im Papierkorb.
Erzähl Geschichten. “Verloren in der Whiskey-Bar” beweist: Ein Betreff darf auch mal rätselhaft sein, solange er eine Geschichte andeutet. Menschen lieben Geschichten.
Sprich über Emotionen. “Durchatmen” funktioniert besser als “Dezember-Newsletter”. Deine Leser wollen fühlen, nicht informiert werden. Sie wollen wissen: Was hab ich davon? Wie geht’s mir danach?
Vermeide Marketing-Floskeln. “Wow-Angebot”, “große Chance”, “aufgepasst” – das sind die Wörter, die sofort nach Werbung riechen. Wenn du so schreibst, klingst du wie alle anderen.
Kurz schlägt lang. Der “Monatsrückblick Dezember”-Betreff ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht macht. Zu viele Infos, zu lang, zu unübersichtlich. Auf dem Smartphone wird er eh abgeschnitten. Konzentrier dich auf EINE starke Aussage.
Und am wichtigsten:
NICHT LANGWEILEN!

