Eigentlich ist Suchmaschinenoptimierung eine feine Sache. Wenn sie nicht dauernd mit den Ansprüchen einer kreativen Texterin zusammenstoßen würde.

 

Diesen Blogbeitrag habe ich nicht suchmaschinenoptimiert, weil ich ihn gern einfach so runterschreiben möchte, ohne nachzudenken. Und da geht die Problematik schon los. Aber von vorne.

Wir befinden uns im Jahr 2017. Der ganze Text ist von Keywords besetzt. Der ganze Text? Nein! Ein von einer unbeugsamen Texterin besetztes Homeoffice hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

So ungefähr muss man sich das vorstellen, als ich von der Werbeagentur in die Selbständigkeit wechselte. Werbeagentur, das bedeutete in meinem Fall: Ausbeutung und miese Konditionen. Aber auch kreatives Arbeiten, Wortspielereien, um die Ecke denken, sich ausprobieren.

Als ich mich dann selbständig machte, hatte ich plötzlich nur noch Kunden, die eine Website wollten.

Das hatte ich zwar irgendwie erwartet. Trotzdem musste ich erstmal damit klarkommen, dass da Kreativität nicht mehr gefragt war, sondern es nur noch darum ging, bei Google gefunden zu werden.

Ich fluchte und schimpfte eine Weile lang auf der Suchmaschinenoptimierung rum. Dann gab ich mir einen Ruck und begann SEO zu lernen. Von Grund auf, Schritt für Schritt, mit einem Coach an meiner Seite.

Das war eine meiner besten Investitionen, denn mittlerweile haben SEO und ich Frieden geschlossen; mehr noch: Ich find’s mega-spannend. Wenn du einmal Keywords recherchiert und sie eingebaut hast und dann irgendwann siehst, wie du bei Google tatsächlich auf Seite 1 stehst, dann kommst du dir vor wie Tom Hanks auf seiner Insel, wenn er sich auf die Brust trommelt und „Ich habe Feuer gemacht!“ brüllt.

Hier ein paar Keywords, für die ich momentan (Stand Januar 2022) ranke:

 

Textcoaching                           Platz 2

Texter Lüneburg                      Platz 1

Texter Instagram                     Platz 2

Gute Überschriften finden     Platz 4

Textbüro                                   Platz 8

Texte für Unternehmen          Platz 9

Texte kürzen                            Platz 9

 

Seitdem ist alles fein. Sowohl in meinen eigenen Texten als auch bei meinen Kunden achte ich auf SEO und lerne nebenbei immer noch dazu. Das ist so mit SEO; du kannst da unglaublich ins Detail gehen.

Aberrrrrr.

Denn ein „Aber“ gibt es bei dem Thema natürlich auch.

Leider merke ich immer wieder, wie mich SEO daran hindert, so zu formulieren, wie ich es eigentlich möchte.

Denn die Keywords, die ich im Text unterkriegen will, geben mir vor, wie ich texten muss. Sie zwingen mich zu einem bestimmten Satzbau und einem Inhalt, den ich sonst vielleicht anders wählen würde.

Nehmen wir als Beispiel mal die Startseiten von Websites, die in ihrer Region gefunden werden wollen, weil sie genau dort Kunden anziehen. Dann müssen wir über „Local SEO“ reden, also Suchmaschinenoptimierung, die darauf ausgelegt ist, jemanden in seinem Ort bei Google anzuzeigen.

Eine Praxis für Physiotherapie in Garmisch-Partenkirchen würde am liebsten als Headline schreiben „Wir biegen das wieder hin.“ Das finden sie empathisch, es ist augenzwinkernd und es strahlt auch menschliche Wärme aus. Worum es auf der Seite geht, ist am Logo oben in der Ecke erkennbar.

Weil aber die Praxis nur eine von 27 anderen Praxen in der Region Garmisch ist, sollte sie auf Sichtbarkeit achten, um gefunden zu werden. Also muss so formuliert werden, dass die Site bei Google oben rankt. Bedeutet, das naheliegendste Longtail-Keyword „Physiotherapie Garmisch-Partenkirchen“ muss eingebaut werden. Und das schon in der h1, der Überschrift.

Wie bilde ich jetzt einen Satz mit „Physiotherapie Garmisch-Partenkirchen“? Wie viel Spielraum bleibt mir beim Formulieren? Richtig: keiner. Dieses Keyword ist ja schon fast der ganze Satz.

SEO schlägt die freie Formulierung.

Und dann geht’s weiter mit dem Keyword. Denn es reicht nicht, das nur in der h1 zu erwähnen, es muss auch noch mehrmals im Fließtext und den Zwischenüberschriften auftauchen.

Schlimmstenfalls liest sich das dann so:

Ihre Physiotherapie in Garmisch-Partenkirchen

Mit unserer Physiotherapie bieten wir Ihnen in Garmisch-Partenkirchen eine kompetente Lösung für Ihre Beschwerden (…) Kommen Sie zu uns nach Garmisch-Partenkirchen und machen Sie einen Termin aus (…) Und hier stellt sich das Team der Physiotherapie in Garmisch-Partenkirchen vor (…)

Merkste? Kein schöner fließender Text mehr, sondern nur noch eine krampfige, künstliche Keyword-Wüste. Dass sie sich auf der Seite einer Physiotherapie in Garmisch-Partenkirchen befinden, wissen die Leute auch schon, wenn sie es einmal in der Headline gelesen haben. Aber wegen SEO wird ihnen der Ortsname alle paar Zeilen um die Ohren gehauen.

Guck mal auf meine eigene Startseite, ich habe ein ähnliches Dilemma. Mir ist es wichtig, mit „Texter Lüneburg“ auf Platz 1 bei Google zu sein. Und das bin ich auch. Kunden rufen mich aus der Region an und sagen „Hallo Frau Block, ich brauche einen neuen Flyer und ich hab Sie online gefunden.“

Aber wenn ich auf SEO pfeifen könnte, würde da was anderes stehen. Und vor allem, ich würde zu „Texterin“ stehen und mich nicht als „Texter“ ausgeben ;-). Aber vom Feminismus kann ich meine Miete nicht zahlen.

Während des ganzen Textens muss ich also darauf achten, bestimmte Wörter unterzubringen.

Das stresst. Es heißt ja über Texter oft, die schreiben das einfach so runter. Das stimmt nur manchmal.

Tatsächlich komme ich ab und zu in einen Schreibflow, wenn ich den Fließtext erstelle. Das ist auch gut so und ergibt am Ende einen lockeren, natürlichen Text, der gern gelesen wird. Aber wieviel Flow ist möglich, wenn du dauernd denkst „Ich muss jetzt noch irgendwie Bio-Schnuller online kaufen unterbringen, und das noch mindestens dreimal“?

Schreibflow adieu.

Hinzu kommt: Keywords sind oft Infinitive, also Grundformen. Zum Beispiel „Brot zuhause backen“, „Kinder richtig erziehen“, „Wie kann ich SEO lernen“. Niemand tippt bei Google ein „Ich backe Brot“.

Das heißt, ich muss also den Satz so basteln, dass er mit dem Infinitiv hinkommt. Nun lautet aber eine Texterregel, keine Hilfsverben zu benutzen, wenn du Leser direkt ansprechen willst. Hilfsverben sind z. B. können, wollen, müssen, machen. Geht aber nicht, wenn ich auf das Keyword achten will.

Oder die Nominative. Neulich habe ich einen Beitrag geschrieben mit dem Keyword „Freie Texterin“. Denn Menschen geben immer Nominative bei Google ein. Logisch. Warum sollten sie auch Dativ oder Genitiv („der freien Texterin“) nehmen?

Bedeutet aber auch wieder, dass ich die Sätze so schreiben muss, dass ich immer den Nominativ einbauen kann.

Denn wenn ich das Wort verändere, ist es kein Keyword mehr.

Also wieder ein K(r)ampf beim Texten.

Ich kann nicht schreiben

Überlass das ruhig einer freien Texterin,

ich muss

Das kann dir eine freie Texterin abnehmen

formulieren.

Nehmen wir mal an, ich habe die Texte für einen Kunden fertig. Alle vereinbarten Keywords sind eingebaut und der Kunden hat gute Chancen, dafür zu ranken. Was macht er als nächstes? Er pflegt die Texte bei WordPress ein oder lässt sie von einem Programmierer einbauen.

Was viele nicht wissen: SEO hört hier, im Backend, nicht auf. Im Gegenteil. Du musst das Keyword auch in den Dateinamen deiner Bilder einbauen. Und in den Alt-Text. Den Bild-Title-Tag. Und an noch ein paar anderen Stellen.

Text ist zwar der Hauptbaustein von SEO, aber eben nicht nur.

Außerdem müssen meine Kunden darauf achten, dass die Website fürs Smartphone optimiert ist, auf schnelle Ladezeiten und die https-Verschlüsselung und noch andere Geschichten. Das sind aber alles Sachen, die mit dem reinen Texten nichts zu tun haben, sprich, nicht mit mir. Trotzdem hängt das Ranking davon ab.

Das ist für mich manchmal ein kleines Dilemma. Denn ich will auch „nur“ Texterin sein und mich nicht noch um die anderen Sachen kümmern, ich bin keine Webtechnikerin. Der Kunde aber erwartet ein gutes Ranking von mir.

Zum Glück habe ich ein paar Möglichkeiten gefunden, um mein SEO-Problem zu lösen.

Lösung Nr. 1: Längere Texte schreiben

Wenn ich vermeiden will, dass die Keyworddichte zu hoch ist, versuche ich Kunden davon zu überzeugen, in einen längeren Text zu investieren. Nicht, weil ich sie abziehen will ;-), sondern weil ich das Keyword dann so verteilen kann, dass es sich nicht dauernd selbst auf die Füße tritt. Genauso ist es mit den Neben-Keywords: Wenn ich einen Text habe, der über minds. 500 Wörter geht, kann ich alle Keywords so streuen, dass es nicht mehr künstlich klingt und der Leser gar nicht merkt, welches die Keywords sind.

Lösung Nr. 2: der Trick mit dem Doppelpunkt

Wenn du dir die Überschriften meiner Blog-Beiträge durchliest, fällt dir sicher auf, dass sie sich alle ähneln: Erst kommt ein Schlagwort, dann ein Doppelpunkt und dann noch ein Satz hintendran.

Das ganze Web ist übrigens voll von solchen Satzkonstruktionen, wenn du mal drauf achtest. Das liegt daran, dass du mit dem Doppelpunkt das Keyword gut mit einer weiteren Aussage verbinden kannst.

Das Keyword steht nämlich idealerweise am Anfang der h1. So hast du noch bessere Chancen, damit gefunden zu werden. Dann setzt du den Doppelpunkt und dahinter das, was du sagen möchtest, ohne auf SEO zu achten.

Unsere Physiopraxis aus Garmisch könnte es also so machen:

Physiotherapie Garmisch-Partenkirchen: Wir biegen das wieder hin

Achte nur darauf, mit der h1 nicht zu lang zu werden. Denn das findet Google auch wieder doof.

Lösung Nr. 3: mein SEO-Leitfaden

Mittlerweile habe ich es mir angewöhnt, allen Kunden, denen ich Website-Texte schreibe, einen kostenlosen Leitfaden mitzuschicken, in dem ich aufdrösel, auf was sie selbst noch achten müssen. Dazu erkläre ich immer, dass SEO mehr ist als das, was ich für sie abdecken kann. Auf der einen Seite soll das natürlich dem Kunden helfen; auf der anderen Seite will ich damit aber auch mich selbst aus der Schusslinie nehmen, falls das Ranking nicht so läuft, wie sich manche Kunden das vorstellen.

Lösung Nr. 4: Mensch vor Maschine

„Mensch vor Maschine“ ist schon sowas wie eine Floskel, wenn man ausdrücken will, dass man nicht in erster Linie für Google, sondern für den Menschen texten soll. Das kann dir jeder SEO-Texter runterbeten.

Aber es stimmt ja auch: Google möchte vor allem, dass du dem Leser Mehrwert bietest. Dass er mit deinem Text die Lösung findet, nach der er sucht. Das ist viel wichtiger als Keywords. Deshalb: Wenn du das Gefühl hast, der Text liest sich wegen der Keywords nicht mehr schön, dann schreib so, wie es dir dein Bauchgefühl sagt.

Vielleicht landest du damit nicht auf Platz 1 bei Google, aber in den Herzen deiner Leser. Und das ist auch ein Weg, Kunden zu generieren.

 

Smartphone mit Instragam Texten von Lena Instagram Account

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