Ich bin Texterin, oder auch Werbetexterin. Ich hab nie was anderes gemacht und bleibe auch gern bis zum Rentenalter dabei. Manche denken bei diesem Schlagwort an Angestellte, die 60-Stunden-Wochen schieben, auf dem Agenturklo koksen und umso kreativer sind, je zerrissener die Jeans ist.

Aber welches Berufsbild hat nicht mit Klischees zu kämpfen? 😉

Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, der sich in seinem Job unwohl fühlt und nicht weiß, wie er da rauskommen soll, bin ich im Stillen immer dankbar für meine Situation.

Denn ich stehe morgens gern auf für meinen Job. Das war früher anders.

 

Geschrieben habe ich schon immer gern. Ich glaube, auf diesen Satz können sich alle Texter einigen – dass sie schon immer Freude daran hatten, sich schriftlich auszudrücken.

Wenn ich im Teenageralter Streit mit meiner besten Freundin hatte, schrieb ich ihr einen langen Brief, anstatt den Anlass persönlich mit ihr auszudiskutieren. Beim Schreiben konnte mir keiner reinfunken, und ich feilte so lange an den Texten, bis sie exakt das aussagten, was ich vermitteln wollte. Satzmelodien, Rhythmus und Sprachwitz zu kreieren, fand ich toll.

Dementsprechend belegte ich Deutsch als Leistungskurs, schrieb an der Abi-Zeitung mit und suchte mir danach Geisteswissenschaften zum Studieren aus.

Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte gelten nicht gerade als Fächer, die dir später im Beruf ein tolles Gehalt bescheren – hier schwingt also schon der Idealismus mit, den man als Werbetexterin gut brauchen kann.

Nebenbei besorgte ich mir in den Semesterferien ein schreiblastiges Praktikum nach dem anderen.

 

Aber nie in Werbeagenturen, sondern im journalistischen Bereich. Texter werden, darüber habe ich nie nachgedacht. Deshalb schrieb ich lieber was über Hamburgs beste Pflaumenkuchen in der BILD-Zeitung (ja, ich weiß), verfasste Buchrezensionen in einem Geschichtsmagazin, schaute beim NDR und dem ZDF rein und machte ein paar Jahre bei Kiel4kiel mit, einem Onlineportal in meiner Uni-Stadt.

Das war eine tolle Zeit: Ich hatte eine Kolumne (wer möchte nicht in einer Parallelwelt schlagfertiger Kolumnist sein?!) und ging zu Veranstaltungen wie der Verleihung des Weltwirtschaftspreises, auf der ich Helmut Schmidt und den Ikea-Gründer Ingvar Kamprad traf.

Mal lobte ich einen Helge-Schneider-Auftritt in den Himmel, ein anderes Mal fuhr ich im Polizeiwagen auf der Kieler Woche mit und berichtete darüber. So würde ich eine prima Journalistin werden. Dachte ich.

Im September 2008 brach Lehman Brothers zusammen, drei Monate später schloss ich die Uni ab. Mitten in der Weltfinanzkrise ging ich auf Jobsuche und bewarb mich panisch in alle Richtungen und auf alle Anzeigen, die mir vors Auge kamen.

Und ich nahm auch sofort den ersten Job an, bei dem ich eine Zusage bekam: einer Agentur, die Dialogmarketing für Energiekonzerne machte.

Ich sag’s mal so: Das war keine schöne Zeit.

 

Kundenmagazine für die Stadtwerke Schüttorf zu schreiben erfüllte mich überhaupt nicht. Mailings für E.on und RWE zu erstellen auch nicht. Nichtsdestotrotz lernte ich in dieser Agentur, wie man werblich textet. Direkte Kundenansprache, Benefits rausstellen, an Emotionen appellieren, Call to Action, Textstruktur, aktiv schreiben, all das.

Lediglich SEO war damals noch niemandem ein Begriff.

Wie heißt es doch so schön: Jede Erfahrung ist später mal für was gut. Blöd nur, wenn man das zu dem Zeitpunkt, wo man leidet, noch nicht weiß :-D.

Aber letztendlich haben auch die Stadtwerke Schüttorf dazu beigetragen, dass ich heute eine zufriedene Werbetexterin bin.

Aber erstmal ging es die nächsten Jahre nach diesem Schema weiter, in verschiedenen Agenturen: viel gelernt, aber nie mit dem Herzen dabei.

Mittlerweile nannte ich mich selbst auch Werbetexterin. Dass ich werblich schrieb und nicht mehr redaktionell, war okay. Das Texten war zwar irgendwie immer noch meins, aber ob die Broschüre für barrierefreies Wohnen nun gut gelang oder nicht, war mir nicht wichtig.

Freitagabend war meine Laune bestens, sonntags kippte sie bereits wieder in die andere Richtung.

Meine letzte Werbeagentur vor der Selbständigkeit war in Hamburg und so eine Art von Laden, der viele Klischees erfüllt. Schlechtes Gehalt. Viele Überstunden, unbezahlt natürlich. Wenig Urlaubstage. Hoher Druck, hohes Tempo und Chefs, die sich bei Kununu selbst positive Bewertungen schrieben, um die vielen schlechten zu übertönen.

Ironischerweise war meine Lernkurve in dieser Agentur am höchsten. Vielleicht, weil ich mir selbst so viel Druck machte.

Trotzdem gefiel es mir immer noch, wenn ich mich mit Bekannten unterhielt und auf die Frage „Und was machst du so“ sagen konnte, ich bin Werbetexterin.

Zwei Kinder und einen Umzug nach Lüneburg später stellte ich mir dann die Frage aller Fragen:

Wie viel Sinn macht es, in Teilzeit in die Agentur nach Hamburg zu pendeln?

 

Genau.

Irgendwas musste sich also verändern. Mich als Werbetexterin selbständig zu machen, fiel mir aber gar nicht ein. Meinem Mann hingegen schon. Am Anfang zeigte ich ihm einen Vogel, denn ich traute mir das Ganze nicht so richtig zu. Er kam aber immer wieder mit dieser Idee an. „Übernimmst du die Buchhaltung?“ fragte ich irgendwann. Machte er.

Also kündigte ich und machte mich selbständig. Nicht à la Los geht’s!, sondern mehr nach dem Motto Na gut.

Die ersten Wochen und Monate vergingen. Ich schrieb Akquise-Briefe an meine Wunschkunden, erstellte einen Account bei Instagram und bekam über meine neue Website ein paar Anfragen rein.

Kennst du dieses Gif von dem Faultier, das so große Augen macht? Ich meine das hier:

Zootopia GIF - Find & Share on GIPHY

So musst du dir mich vorstellen, als mir dämmerte, dass der Schritt in die Selbständigkeit genau der Richtige war. Denn plötzlich passierte etwas, was ich vorher nicht gekannt hatte: Ich war motiviert.

Es ist ein Riesenunterschied, ob du für dich selbst arbeitest oder fremdbestimmt für irgendwelche Chefs. Seit ich eigenverantwortlich texte und die Arbeit nach meinen Vorstellungen gestalte, hat sich das Sonntagabend-Gefühl in Luft aufgelöst.

Ich arbeite gern. Und viel. Ich coache Kunden auch direkt, suche Keywords raus und weiß, wie man einen Satz mit einem Wort interessanter macht. Oder hättest du auf meinen Beitrag geklickt, wenn dort einfach Warum es mein Traumjob ist gestanden hätte, ohne trotzdem?

Toll ist auch, das Feedback der Kunden direkt zu erhalten, statt wie früher als Kreation von den Kunden abgeschnitten zu sein. Zwischen Textern und Kunden standen ja immer die Kundenberater. Von den Auftraggebern waren wir abgeschirmt. Persönlich mit Menschen zu arbeiten und zu hören, was sie sich erhoffen und wie sie sich über die Texte freuen, motiviert nochmal extra.

Das Gesamtpaket als Werbetexterin stimmt jetzt einfach. Ich arbeite im Homeoffice, nachmittags ist Familienzeit. Wenn wenig zu tun ist, mache ich spontan einen Tag frei, wenn mehr los ist, arbeite ich auch mal abends oder am Wochenende. Meine Flexibilität würde ich für nichts auf der Welt wieder eintauschen.

Und als Corona losging, habe ich Arbeit und Homeschooling nach meinem Gusto umeinander herumgebastelt. Ich weiß gar nicht, wie ich das als Angestellte hätte schaffen sollen. Ich weiß überhaupt nicht, wie Angestellte so viele Dinge schaffen, ehrlich gesagt.

Natürlich hat der Job auch seine negativen Seiten. Daher das Trotzdem im Titel.

Werbetexterin verbinden viele mit einem gewissen Shabby-Chic.

Davon kann man doch nicht leben, kannst du mir nicht mal eben was texten, geht das auch für umme, du kriegst dafür auch Reichweite, sind beliebte Sätze. Und manchmal bekomme ich auch Anfragen, denen ich die geringe Wertschätzung meiner Dienstleistung sofort anmerke. Texten kann doch schließlich jeder.

Aber das macht nichts. Ich würde nichts mehr an meiner Jobsituation verändern wollen. Ich glaube, das kann nicht jeder behaupten.

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Texterin und Werbetexterin? Na ja, mit Werbetexten verbinde ich eher meine Arbeit in der Agentur. Aber als selbständige Texterin mache ich ja auch Werbung für andere, von daher ist es für mich dasselbe.

Und wie schon Werbe-Ikone Karen Heumann sagte:

„Ich mag schon das Wort – werben. Für eine Sache werben, für jemanden werben(…). Das Schöne in einer Sache zu finden und darüber zu reden: Das ist doch eigentlich ein sehr schöner Beruf.“

Word.

 

 

 

 

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